Die Physiotherapie steht derzeit an einem Scheideweg: Geht es weiter in Richtung Akademisierung und Professionalisierung? Oder sind wir auf dem besten Weg zurück in die Vergangenheit, zurück zu den „Turnmäuschen“? Zwei Praxisinhaber vertreten eine klare Meinung und stellen einige provokante Forderungen in den Raum.

Ein Kommentar von Michael Rudolph und Bob Kiens

Bewusstsein schaffen

Status quo und dringende Fragen aus Sicht zweier Praxisinhaber

Die physiotherapeutische Landschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten gravierend verändert. Das Spektrum ist groß und reicht von kleineren beziehungsweise Einzelpraxen bis hin zu großen ambulanten Reha-Zentren. Die Ausbildung bewegt sich, wenn auch zögerlich, in Richtung Akademisierung, um nach Möglichkeit den europäischen Standard zu erreichen. Das Ziel des Bologna-Abkommens, bis zum Jahr 2010 einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen und die Qualifizierung (Ausbildung) auf einen Level zu stellen, ist in Bezug auf die Physiotherapie in Deutschland klar verfehlt worden (1). Die Politik bewegt sich nur sehr langsam oder nahezu gar nicht. Der Fortbildungszwang und der Ruf nach immer mehr Evidenz sitzen uns im Nacken.