Patienten mit einer Rückenmarksverletzung haben ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte und Druckgeschwüre. Diese können durch verschiedene Selbstmanagementtechniken reduziert werden. Ein Team aus US-amerikanischen und indonesischen Forschern untersuchte in einer randomisierten kontrollierten Studie, ob Mobile Health dabei eine sinnvolle Unterstützung zur herkömmlichen Therapie in einer Spezialambulanz bietet. Die mobile Technologie basierte auf einer App namens iMHere und einem webbasierten ärztlichen Portal. Die App beinhaltete folgende Funktionen: Medikationsmanagement, Erinnerungen an Blasen- und Darmentleerung, Symptombeschreibung und Fotodokumentation von Druckstellen, Angaben zur Stimmungslage und einen Messengerdienst, um den betreuenden Arzt zu kontaktieren. Die Patienten erhielten vorab eine 30-minütige Einführung. Ein Physiotherapeut hatte eine koordinierende Funktion inne; er betreute das Webportal und kommunizierte mit den Patienten über die App. Primäre Zielgrößen waren das Auftreten von Druckulzera, Harnwegsinfekten sowie Einweisungen in die Notfallambulanz oder ins Krankenhaus. Als sekundäre Zielgröße untersuchten die Forscher, ob sich mit der neuen Technologie auch psychosoziale Ergebnisse verändern. 38 Patienten wurden in zwei Gruppen randomisiert. Die Interventionsgruppe (n =19) nutzte Mobile Health über neun Monate zusätzlich zur herkömmlichen Therapie. Die Kontrollgruppe erhielt nur die Standardbehandlung, bestehend aus regelmäßigen ambulanten Terminen bei einem spezialisierten Arzt und der Möglichkeit, bei Fragen telefonisch Kontakt aufzunehmen und gegebenenfalls weitere Diagnostik oder Therapie zu erhalten. Verglichen wurden die Ergebnisse der beiden Gruppen im Studienverlauf und mit den Krankheitsdaten der neun Monate vor Studienbeginn. Alle drei Monate fanden ergänzende Telefoninterviews statt.

Nach neun Monaten konnten die Ergebnisse von 33 Patienten ausgewertet werden. Die Mobile-Health-Gruppe hatte signifikant weniger Harnwegsinfekte (Number Needed to Treat: 2,11). Die psychosozialen Ergebnisse unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen; es gab allerdings einen Trend zu weniger depressiven Symptomen in der Interventionsgruppe, der klinisch bedeutsam war. Für die technische Unterstützung und Systembetreuung der Mobile-Health-Anwendung wurden etwa 34 Minuten pro Person im Monat benötigt. Offenbar kann Mobile Health eine sinnvolle Maßnahme in der Prävention von Komplikationen bei Patienten mit Rückenmarksverletzungen sein.

Quelle: Kryger MA, et al. 2019. The effect of the interactive mobile health and rehabilitation system on health and psychosocial outcomes in spinal cord injury: randomized controlled trial. J. Med. Internet Res. 21, 8:e14305 Volltext frei

Link zum Abstract:pt.rpv.media/ncbi31464189