Neurologie

Forscher untersuchten in einem systematischen Review der Literatur bis August 2019 den Einsatz von Gehirn-Computer-Schnittstellen (brain-computer-interfaces – BCI) in der Rehabilitation der oberen Extremität bei Schlaganfallüberlebenden. BCI-Technologien ermöglichen, dass Gehirnaktivitäten erfasst und in Computerbefehle übersetzt werden, um zum Beispiel ein Exoskelett zu kontrollieren. Darüber hinaus untersuchten sie den Nutzen von transkranieller Gleichstromstimulation (transcranial direct current stimulation – tDCS). Die Qualität der Studien beurteilten die Wissenschaftler mit der PEDro-Skala.

33 Studien gingen in die Übersichtsarbeit ein. BCI scheinen sicher für Patienten nach Schlaganfall zu sein. Verschiedene Studien ohne Kontrollgruppe weisen darauf hin, dass BCI-Technologien die Funktion der oberen Extremität verbessern. Eine Meta-Analyse aus zwölf kontrollierten Studien erbrachte eine mittlere Effektgröße dafür, dass BCI direkt nach Interventionsende überlegen war. Im Langzeit-Follow-up gab es hingegen keine signifikante Wirkung.

Das Ergebnis einer Subgruppenanalyse zeigte, dass die funktionelle elektrische Stimulation (FES) paretischer Muskeln während der BCI-Therapie als Feedback effektiver war als andere Lösungen (zum Beispiel visuelles Feedback). Des Weiteren war es wirksamer, Bewegungsversuche mit der paretischen Extremität zu unternehmen, als sich die Bewegung nur vorzustellen (motor imagery). Die zusätzliche Anwendung von tDCS in zwei Studien brachte keinen zusätzlichen Nutzen für die Motorik der oberen Extremität. BCI-Technologie verbesserte die Motorik der oberen Extremität also unmittelbar, hatte aber keinen Langzeiteffekt. 

Quelle: Bai Z, et al. 2020. Immediate and long-term effects of BCI-based rehabilitation of the upper extremity after stroke: a systematic review and meta-analysis. J. Neuroeng. Rehabil. 17, 1: 57 Volltext frei

Link zum Abstract: pt.rpv.media/ncbi32334608