Frau M. ist 89 Jahre alt und leidet seit zehn Jahren unter einer Alzheimer-Demenz. Ihre Angehörigen bemerken nun seit einigen Wochen, dass Frau M. sich auffällig verhält. Sie ist rastlos, läuft ständig umher und schimpft mit ihren Kindern und dem Pflegepersonal. Dieses Verhalten kann auch ein Ausdruck von Schmerzen sein, die Frau M. aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr verbalisieren kann.

Hintergrund und Prävalenz

Die Erfassung von Schmerzen bei Menschen mit Demenz wird oft stiefmütterlich behandelt – sowohl in der Praxis als auch in der Wissenschaft. In einer Übersichtsarbeit zur Schmerzprävalenz bei Menschen mit unterschiedlichen Demenztypen konnten die Autoren nur zehn Artikel einschließen (1). Die Auswertung zeigt folgende Verteilung:

  • Alzheimer-Erkrankung: 45,8 Prozent
  • vaskuläre Demenz: 56,2 Prozent
  • Mischform: 53,9 Prozent

Für einige Demenzformen (zum Beispiel frontotemporale Demenz) wurden keine Daten gefunden. Wichtig ist insbesondere die frühzeitige Erkennung von Schmerzen durch den Einsatz angepasster Assessments. Zur Beobachtung von Schmerzen bei Menschen mit Demenz wurden bereits mehrere Instrumente entwickelt; noch fehlen allerdings ausreichende Nachweise zu den Gütekriterien (2, 3). Derzeit verfolgt eine internationale Expertengruppe das Ziel, Items aus bestehenden Bewertungsinstrumenten zu bündeln, zu überprüfen und ein Meta-Tool zu entwickeln. Dieses soll den besonderen Anforderungen bei der Beurteilung von Schmerzen bei Menschen mit Demenz entsprechen (3).