„Wer rastet, der rostet“ oder „Von der Wiege bis zur Urne – turne, turne, turne!“ sind bekannte Ratschläge zur körperlichen Aktivität im Lebenslauf und für das höhere Alter. Eine Übersicht zur aktuellen Evidenzlage und praxisnahe Tipps zum Training mit Älteren liefern Tobias Morat und Tim Fleiner vom Institut für Bewegungs- und Sportgerontologie der Deutschen Sporthochschule Köln.

Bewegungsmangel im Alter

Körperliche Aktivität spielt eine zentrale Rolle für die Erhaltung und Förderung der Alltagsbewältigung und der damit verbundenen Selbstständigkeit im höheren Lebensalter. Durch einen körperlich aktiven Lebensstil kann vielen Erkrankungen und Einschränkungen im zunehmenden Alter entgegengewirkt werden, sowohl präventiv als auch im Rahmen gezielter Behandlungsmaßnahmen (1). Bislang ist jedoch nur ein geringer Anteil der Senioren körperlich aktiv genug, um von den gesundheitsfördernden Effekten zu profitieren (2). Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen Ältere mindestens fünfmal pro Woche für jeweils 30 Minuten körperlich aktiv sein, um gesundheitsfördernde Effekte zu erreichen (3). Laut Robert Koch-Institut (4) erreichten im Jahr 2010 allerdings nur 21,4 Prozent der 45- bis 64-Jährigen und nur 13,5 Prozent der über 65-Jährigen diese Empfehlungen. Menschen ab 50 Jahren sind die in Zukunft am schnellsten und stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe. In der Lebensphase vom späten Berufsleben und dem Übergang in den Ruhestand bis zum hohen Alter rücken präventive und rehabilitative Trainingsprogramme immer stärker in den Fokus. Besonders im mittleren Lebensalter ab 50 Jahren können frühzeitig präventive Strategien angewendet werden, die sich positiv bis ins hohe Alter auswirken können. Sowohl die Senioren als auch das Gesundheitssystem können hier von bewegungswissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren.