Haben Schulterpatienten auch ein Problem mit der allgemeinen Gleichgewichtsfähigkeit? Dieser Frage gingen unsere Autoren in einem Forschungsprojekt an der ATOS-Klinik in Heidelberg nach und fanden unter anderem heraus, dass Patienten mit langwierigen Schulterschmerzen Defizite im Bereich der Balance und der posturalen Stabilität aufweisen.

Das Henne-Ei-Problem

Eine gute Schulterfunktion hängt ab von der Stabilität des Rumpfes und in der Folge auch von der Stabilität der unteren Extremität und der Gleichgewichtsfähigkeit. Ein Verlust der sogenannten „Core Stability“ muss der Schultergürtel ausgleichen – durch eine größere Bewegungsgeschwindigkeit und mehr Kraft. Die Gretchen-Frage bei Schulterpatienten lautet: Sind die Gleichgewichtsstörungen Ursache oder Konsequenz der Schulterprobleme?

„Es gibt einige Hinweise darauf, dass Schmerzen – egal in welchem Körperbereich – eine negative Auswirkung auf das gesamte motorische System haben. Die Verbindungen zwischen verschiedenen Gehirnbereichen, zum Beispiel sensorischem Kortex, Basalganglien, anteriorem cingulären Cortex (ACC) und motorischem Kortex, brauchen ein paar Millisekunden mehr Zeit für die Informationsverarbeitung, und das reicht schon aus, um Gleichgewichtsreaktionen zu verschlechtern. Man weiß inzwischen beispielsweise auch, dass sich bei chronischen Rückenschmerzen die Feinmotorik in der dominanten Hand verlangsamt. Zudem stört Schmerz die myofaszialen Verbindungen zwischen oberer und unterer Extremität, mit negativen Auswirkungen auf Reaktionsfähigkeit und Kraft.“