Frau Müller berichtet in der Physiotherapie über Schwindel beim Gehen durch einen Gang im Supermarkt, in einer Menschenmenge und beim Blick aus dem Zug- oder Autofenster. Der Physiotherapeut vermutet einen beeinträchtigten optokinetischen Reflex und testet diesen.

Optokinetischer Reflex

Der optokinetische Reflex (OKR) sorgt dafür, dass wir bewegte Bilder klar sehen. Würden wir beim Blick aus dem Zugfenster wie eine Digitalkamera sehen, wäre das Bild verwischt. Sitzen wir im Zug einem Fahrgast gegenüber, der zum Fenster hinausschaut, erkennen wir Augenbewegungen. Zugrunde liegt der physiologische optokinetische Nystagmus (OKN). Der Reflex besteht aus einer langsamen und einer schnellen Phase.

Die erste Phase umfasst die langsame Folgebewegung: Sie ist reizabhängig und entspricht der Richtung und Geschwindigkeit des visuellen Reizes (zum Beispiel vorbeiziehende Landschaft). Die schnelle Phase ist eine rasche Rückstellbewegung (Rückstellsakkade) in die entgegengesetzte Richtung. So erfolgt beispielsweise beim Gang im Supermarkt und dem Blick nach links die Folgebewegung nach links, bei einem Blick nach rechts dementsprechend nach rechts. Beim Gehen führt der Blick auf den Boden zur Folgebewegung nach unten. Der horizontale OKN ist stärker ausgebildet als der vertikale (1). Mit fortschreitendem Alter nimmt der optokinetische Reflex ab (2, 3).