Jeder Physiotherapeut hatte bestimmt schon einmal bei Nackenschmerz-Patienten das Gefühl, dass „da noch mehr ist“. Anamnestische Angaben, Symptome sowie wahrgenommene Auffälligkeiten in der (non-)verbalen Kommunikation und dem Verhalten sind meist die Ursache für solche Vermutungen. Doch wie kann dieses subjektive Gefühl objektiviert werden?

Dian Elvina / shutterstock.com

Hintergrund

Angststörungen und depressive Störungen werden in der Primärversorgung oft nicht erkannt, weil Patienten häufig organbezogene Symptome und nicht primär Ängste oder depressive Gedanken äußern (1, 2). Im bekannten Flaggensystem der absoluten und relativen Kontraindikationen werden sie als psychische Pathologie den Orange Flags und als psychosoziale Risikofaktoren den Yellow Flags zugeordnet (3, 4). Diese Patienten kommen dann vielleicht mit einer Verordnung aufgrund eines HWS-Syndroms, Rückenschmerzen oder Schwindel zur physiotherapeutischen Behandlung. In dem Fall ist ein spezifisches Screening auch in der Physiotherapie sinnvoll, damit der Patient keine übertriebenen Hoffnungen und Erwartungen in eine weniger geeignete Therapie seiner Beschwerden setzt. Betroffene Patienten weisen typischerweise kurzfristige Behandlungserfolge auf, da die Grunderkrankung weiterhin besteht und die Physiotherapie symptomatisch ist.