Frau Mai ist 68 Jahre alt. Sie klagt unter anderem über einen Drehschwindel beim Hinlegen, Aufsitzen und Drehen im Bett. Die Symptome können mit ihren Diagnosen somatoformer Schwindel, Morbus Menière und vestibuläre Hypofunktion nicht eindeutig erklärt werden. Um die Symptome zu klären, führt ihr Therapeut einen kompliziert klingenden Test durch: den Clinical Test for Sensory Interaction in Balance (CTSIB).

Hintergrund

Um unser Gleichgewicht zu organisieren, benötigt das Zentralnervensystem (ZNS) mindestens drei sensorische Systeme: das Gleichgewichtsorgan (vestibulär), das visuelle System und die Somatosensorik (Abb. 1). Die Afferenzen der drei sensorischen Systeme laufen ständig in den Gleichgewichtszentren des ZNS ein. Je nach Ausgangsstellung, Umgebung und Aufgabe wählt und gewichtet das ZNS diejenigen Afferenzen, die in diesem Moment relevant sind. Dies nennt man sensorische Gewichtung. Beispielsweise ist die Gewichtung im ruhigen Stand 70 Prozent somatosensorisch, 20 Prozent vestibulär und zehn Prozent visuell (1). Auch zahlreiche funktionelle Untersuchungen zeigen, dass zwischen den sensorischen Hirnarealen eine sich gegenseitig hemmende Interaktion besteht (2). Um die Organisation der drei sensorischen Systeme zu analysieren, entwickelte Anne Shumway-Cook den Clinical Test for Sensory Interaction in Balance (CTSIB) (3). Landläufig wird er auch als „Foam and Dome“ bezeichnet. In sechs verschiedenen Positionen unter variablen sensorischen Bedingungen wird das Schwanken beurteilt. Beim modifizierten CTSIB fehlen die Positionen mit dem Lampenschirm, er verfügt somit nur über vier Positionen.