Im klinischen Alltag präsentieren sich viele Patienten mit einer reduzierten Skapulakontrolle. Therapeuten berücksichtigen dies in ihrer Therapieplanung, um eine optimale Schulterfunktion zu ermöglichen. Doch von welchen Übungen zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung profitieren Betroffene am meisten?

Gesprächspartner Jörg Nowotny

Dr. med.; Oberarzt und Leiter der Sektion Obere Extremität im UniversitätsCentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden.

Kontakt: joerg.nowotny@uniklinikum-dresden.de

Die Skapuladyskinesie ist eine Änderung der normalen Kinematik der Skapula bei Armbewegungen oder -positionen. Sie wird oft in Zusammenhang mit Schulterbeschwerden gebracht, aber auch asymptomatische Personen können eine Skapuladyskinesie zeigen. Eine hohe Prävalenz besteht bei Überkopfsportlern (1). Ein 2017 online publizierter systematischer Review aus Australien belegte, dass das Risiko, Schulterschmerzen zu entwickeln, bei Athleten mit Skapuladyskinesie um 43 Prozent höher ist als bei Athleten ohne (2). Ein deutsches Forscherteam untersuchte nun in einer multizentrischen, prospektiven Studie, ob ein speziell entwickeltes Therapieprogramm wirksam ist (3). Von 28 inkludierten Patienten nahmen 15 für sechs Wochen an der spezifischen Übungsintervention teil; die 13 Personen in der Kontrollgruppe erhielten eine Massagetherapie. Die Wissenschaftler beurteilten den Therapieerfolg mit folgenden Assessments: QuickDASH Questionnaire (Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand), SICK Scapula Rating Scale, Visuelle Analogskala (VAS), Hand-Press-Up-Position-Test, Innenrotation der Schulter und Lateral-Scapular-Slide-Test. Die Nachuntersuchung zeigte, dass sowohl das Übungsprogramm als auch die Massagetherapie die Schmerzintensität verringerten. Die Ergebnisse im QuickDASH, Hand-Press-Up-Position-Test und der SICK Scapula Rating Scale verbesserten sich hingegen nur in der Übungsgruppe.