Bei einem Schlaganfall werden Hirnareale meist durch eine Minderdurchblutung geschädigt. In über 50 Prozent der Fälle zieht dies den Ausfall von motorischen und / oder sensorischen Fähigkeiten nach sich. Das Gehirn ist in der Lage, viele dieser Funktionen wiederzuerlernen – die nichtinvasive Hirnstimulation kann eine Unterstützung sein. Der folgende Beitrag stellt die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) vor und berichtet über aktuelle Studienergebnisse.

Stimulation hat viele Gesichter

Die Wiederherstellung der motorischen Funktion nach Schlaganfall nimmt einen bedeutenden Stellenwert in der neurologischen Rehabilitation ein. Für den Erfolg wesentlich scheint dabei die neuronale Plastizität zu sein: Das Hirn stellt sich auf eine veränderte Umwelt mittels Anpassung durch Lernen ein (1). Neuronale Plastizität kann zum Beispiel durch aufgabenspezifisches Training, eine abwechslungsreiche Umgebung (environmental enrichment) sowie auf das zentrale Nervensystem wirkende Medikamente gefördert werden (1). Eine weitere innovative Möglichkeit ist die nichtinvasive Hirnstimulation: Die populärsten Arten sind zum einen sicherlich die transkranielle Magnetstimulation und zum anderen die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) (1). Letztere kann unter anderem die Erregbarkeit des Gehirns beeinflussen (2). In der Anwendung wird ein schwacher Gleichstrom über am Kopf platzierte und in Salzwasser getränkte Schwammelektroden appliziert (3, 4). Das Ziel ist häufig, entweder die Erregbarkeit nicht betroffener Hirnareale, die in der Folge des Schlaganfall „übererregt“ sind, zu hemmen (interhemisphärisches Kompetitionsmodell) (5–8) oder betroffene Hirnareale, die „untererregt“ sind (Vikariationsmodell) (9, 10), in ihrer Erregbarkeit zu steigern (Tab. 1).