Therapie
pt November 2022

Stellenwert der therapeutischen Beziehung im physiotherapeutischen Setting

Definition und Hintergrund

In der Therapie geht es neben den eingesetzten Methoden auch immer um eine professionelle Beziehung zwischen Therapeuten und Betroffenen. Es ist wichtig, sich mit den eigenen Wertvorstellungen auseinanderzusetzen, da diese einen großen Einfluss auf unser therapeutisches Handeln haben.

Ein Beitrag von Thilo Oliver Kromer
Lesezeit: ca. 8 Minuten
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Die sogenannte „Therapeutische Allianz“ (TA) und ihre Relevanz im therapeutischen Kontext wird in der Medizin und Psychotherapie schon lange diskutiert und wissenschaftlich untersucht, siehe hierzu zum Beispiel (1). Auch in der Physiotherapie wächst das Interesse an diesem Thema zunehmend. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017 (2) gibt einen Überblick über verschiedene Modelle, die in Beziehung zur TA stehen und zu Themen, die für die Gestaltung einer TA von Bedeutung sind. Gleichzeitig finden sich inzwischen verschiedene Ansätze dafür, wie Modelle für eine TA im physiotherapeutischen Kontext definiert und in Folge operationalisierbar gemacht werden könnten (z. B. 3).

Tatsächlich treten wir in Beruf oder Privatleben ständig in Beziehung: zu uns selbst, anderen Personen, Sachverhalten, Dingen, et cetera – ob wir wollen oder nicht. Wir scheinen also quasi Beziehungsexperten zu sein. Der berühmte Satz von Paul Watzlawick, „man kann nicht nicht kommunizieren“ (4), lässt sich daher auch direkt auf Beziehungen übertragen in der Weise, als dass man eben auch nicht nicht in Beziehung treten kann. Die Art und Weise, wie wir das tun, wird im Wesentlichen gelenkt von unseren Erfahrungen, Wertvorstellungen, Überzeugungen, Willensimpulsen und unserem Blick auf den bestehenden Kontext (z. B. die Aufgaben, die es zu erledigen gibt oder die Rolle, die wir erfüllen möchten). Da uns diese Informationen nicht in jedem Moment bewusst sind, tun wir dies in vielen Fällen automatisiert.