Frau Meier ist wegen Nackenbeschwerden in physiotherapeutischer Behandlung. Zudem leidet sie seit einiger Zeit an Schwindel. Ihre Therapeutin vermutet aufgrund der Anamnese und verschiedener positiver Tests eine unilaterale vestibuläre Dysfunktion. Ein solcher Test ist der Stern-Test oder auch Babinski-Weill-Test. Der Beitrag informiert Sie umfassend über die Durchführung und Gütekriterien.

Ein Beitrag von Daniela von Piekartz-Doppelhofer

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Hintergrund

In Deutschland leiden jährlich etwa 23 Prozent der Bevölkerung an Schwindelbeschwerden (Dizziness / Vertigo); fast drei Viertel suchen medizinischen Rat und Hilfe, weil sie in ihrem täglichen Leben eine deutliche Qualitätsbeeinträchtigung erfahren (1). Sie werden oftmals von Spezialisten mehrerer medizinischer Disziplinen untersucht und behandelt: Neurologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Innere Medizin, Orthopädie und Physiotherapie. Die Neuerkrankungsrate liegt bei circa drei Prozent (1). Um ein klares Bild der Symptome und Beeinträchtigung dieser Patienten zu bekommen, ist es hilfreich, funktionelle Tests auszuführen. Diese können zur besseren Diagnosestellung, aber auch zur Verlaufskontrolle eines Therapiemanagements beitragen. Die Palette der vorhandenen Tests ist groß, wobei die meisten wissenschaftlich nicht gut untersucht sind und somit nicht standardisiert in der Praxis angewendet werden können (2). Außerdem ist nicht deutlich, ob eine klinische Differenzialdiagnose zwischen verschiedenen Ursachen der Schwindelbeschwerden gestellt werden kann. Dies gilt auch für den seit seiner Vorstellung im Jahr 1913 häufig angewendeten Stern-Test, auch Babinski-Weill-Test genannt (3).