Frau Adam hatte vor sechs Monaten ein Schleudertrauma. Nun berichtet sie über Schwindel in Menschenmengen oder wenn sie Fahrzeugen nachblickt. Der Therapeut testet unter anderem die langsame Blickfolge der Augen: Die Augenbewegungen sind auffällig und reproduzieren die Symptome. In rotierter Kopfposition sind die Befunde ausgeprägter. Deswegen vermutet er Nackenprobleme und untersucht die Halswirbelsäule weiter.

Die langsame Blickfolge (LB) der Augen wird auch langsame Folgebewegung oder Smooth Pursuit genannt. Die LB ist eine von mehreren Funktionen und Reflexen der Okulomotorik, die bei verschiedensten Aufgaben und Situationen für ein stabiles und klares Bild sorgen. Verfolgen wir ein bewegtes Objekt, beispielsweise ein fahrendes Auto oder einen Fahrradfahrer, werden beide Augen so gesteuert, dass das Sehziel stets an der zentralen Stelle der Netzhaut (Fovea) abgebildet wird. „Rutscht“ es aus dieser Stelle des schärfsten Sehens, korrigiert das Kleinhirn die Augenbewegung – dies nennt man Retinal Slip. Der Retinal Slip alleine würde keine glatte Folgebewegung ergeben. Viele uns bekannte Bewegungen von Objekten sind gespeichert und vorprogrammiert.