[mk] In der heutigen Gesellschaft stellt es in der Regel kein Problem dar, an Lebensmittel zu kommen – insbesondere, wenn es sich um Fast Food handelt. Evolutionsbedingt ist es zwar zweifellos sinnvoll, dass uns hochkalorische Lebensmittel besonders gut schmecken, doch angesichts des großen Angebots kann uns dies auch zum Verhängnis werden.

Einen neuen Erklärungsansatz für den Appetit auf Ungesundes liefern nun Forscher vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln. Ein Team um Alexander Jais fand mithilfe eines Versuchs am Tiermodell heraus, dass bestimmte Nervenzellen verantwortlich für eine erhöhte Aufnahme fettreicher Nahrung sind. Konkret handelt es sich um sogenannte Nozizeptin-Neuronen. Damit dieser Mechanismus in Gang gesetzt werden könne, reiche bereits eine dreitägige Nahrungszufuhr mit fettreicher Kost aus, so Jais. Sobald diese Neuronen im Hypothalamus der untersuchten Mäuse angesteuert werden, schien es so, als sei der Appetit der Tiere auf ungesundes Futter nicht zu bremsen. Obwohl der Kalorienbedarf durch eine geringe Menge des fettreichen Futters gedeckt worden wäre, nahmen die Mäuse erheblich mehr Nahrung als erforderlich auf. Offenbar beeinflussen diese Zellen auch das natürliche Sättigungsgefühl.

Dieser Verdacht schien sich in einem weiteren Versuch zu bestätigen. Dort schalteten die Forscher die Nozizeptin-Neuronen der Mäuse gezielt aus. Ergebnis: Die Tiere zeigten erneut ein normales Fressverhalten. Auch fraßen sie das angebotene hochkalorische Futter in einem erwartbaren und durchschnittlichen Maß.

„Es ist nach wie vor nicht bekannt, warum einige Menschen es schaffen, nur so viel zu Essen, wie sie brauchen, und andere nicht. Eine mögliche Erklärung könnte nun die individuelle Aktivität von Nozizeptin-Neuronen liefern“, so Jais.

Literatur

Jais A, et al. 2020. PNOCARC Neurons Promote Hyperphagia and Obesity upon High Fat Diet Feeding. Neuron. Apr 15. [Epub ahead of print]