Unabhängig von der jeweiligen Sportart gilt: Ein Wurf führt meist zu einer hohen Krafteinwirkung in endgradigen Armpositionen. Dies belastet auch die Strukturen des Schultergelenkes – oft jahrelang. Beim Auftreten von Beschwerden sind strukturelle Veränderungen meist längst entstanden. Welche Veränderungen sind eine notwendige Anpassung, welche bereits pathologisch? Und wie können die wiederholten extremen Belastungen vermieden oder zumindest sinnvoll kompensiert werden?

 

Was bedeutet ein Wurf für das Schultergelenk?

Natürlich unterscheiden sich die Bewegungsabläufe und koordinativen Aufgaben in verschiedenen Wurfsportarten. Allen gemeinsam ist die endgradige Position im Schultergelenk mit maximaler Beschleunigung und langer Abbremsphase. Die meisten Studien zum Thema Werferschulter wurden mit Baseballspielern durchgeführt. Im Baseball bedeutet die endgradige Ausholphase eine maximale Außenrotation und Abduktion. Allgemein sind eine gute Außenrotation im Schultergelenk und währenddessen eine dynamische Stabilisation beim Aufbringen von hohen Kräften wichtig (1). Bei einem Wurf erreicht ein Sportler bis zu 120 Prozent seiner isometrischen Maximalkraft (2), was in der Dynamik eine hohe Stabilisationsfähigkeit zur Zentrierung des Schultergelenkes verlangt. Bei vielen Sportlern entstehen Beschwerden, die Bewegungseinschränkungen in die Innenrotation (glenohumerales Innenrotationsdefizit – GIRD) sowie Defizite in der aktiven Stabilisierung von Schultergelenk, Schulterblatt und Rumpf mit sich bringen. Bei einem GIRD kommt es nicht zu einer Verminderung der gesamten Beweglichkeit, sondern zu einer Verschiebung der Beweglichkeit in Richtung Außenrotation (3, 4). Die für die Ausholbewegung nötige Außenrotation geht somit mit einer Einschränkung der Innenrotationsfähigkeit einher. Bei Elite-Tennisspielern konnte das vermehrte Auftreten von Innenrotationsdefiziten bei gleichbleibender Gesamtbeweglichkeit – und mit zunehmendem Alter steigend – nachgewiesen werden (5). Diese Defizite führen zunächst zu Beschwerden direkt nach Wurfbelastungen und schließlich können irreversible Strukturschäden im Bereich des Schultergelenkkomplexes entstehen.