Patienten nach Implantation einer Hüft-Totalendoprothese sollten gemäß der besten verfügbaren Evidenz auf jeden Fall ein Trainingsprogramm zur Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit durchlaufen – oder? Ein niederländisch-deutsches Forscherteam hinterfragt kritisch die Qualität der dazu existierenden Studien.

Gesprächspartnerin

Annet Wijnen

2015 Master in Human Movement Sciences an der Universität Groningen; seit 2016 als PhD-Studentin am University Medical Center Groningen und an der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Pius-Hospital, Medizinischer Campus Universität Oldenburg.

Kontakt: a.wijnen@umcg.nl

Das Problem

Angesichts einer alternden Gesellschaft, in der Adipositas zunimmt, werden Vorhersagen zufolge immer mehr Personen in den kommenden Jahren mit einer Hüft-Totalendoprothese (H-TEP) infolge Koxarthrose versorgt werden. Ein Blick auf die niederländischen Operationszahlen im Zeitraum zwischen 2010 und 2015 zeigt diesen Trend: Während 2010 noch 23.330 Personen einen Gelenkersatz erhalten hatten, waren es im Jahr 2015 bereits 28.798. Die postoperative Nachbehandlung besteht in der Regel maßgeblich aus Übungstherapie zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit, Muskelkraft sowie Aktivitäts- und Partizipationsfähigkeit im Alltag der Betroffenen. Einen Konsens über die optimale Standardbehandlung in der Nachsorge scheint es nicht zu geben: Die postoperative Therapie unterscheidet sich in Art, Dosierung und Umfang teilweise erheblich, sodass keine einheitliche Aussage über den Effekt von physiotherapeutischen Übungen gemacht werden kann.