[jr] Bereits geringe Veränderungen der Außentemperatur während der Schwangerschaft können den Metabolismus männlicher Nachkommen nachhaltig verändern. Schon im Mutterbauch wird der Grundstein dafür gelegt, ob man später eine erhöhte Prädisposition für eine metabolische oder endokrinologische Erkrankung aufweist. Dies geschieht über sogenannte epigenetische Veränderungen am Erbgut des Fötus, welche maßgeblich über den Lebenswandel und Umwelteinflüsse während der Schwangerschaft programmiert werden. Dieser Mechanismus ermöglicht es Säugetieren, flexibel auf ihre Umwelt zu reagieren und je nach Bedarf zum Beispiel Stoffwechselwege in der nachfolgenden Generation zu optimieren.

Im Menschen sind diese Einflüsse oft von den tatsächlichen Bedingungen entkoppelt, sodass die Nachkommen nicht optimal an ihre Umweltbedingungen angepasst sind und daher für metabolische Erkrankungen anfälliger werden. Ein Beispiel hierfür ist, dass übergewichtige Mütter oft Kinder bekommen, die ebenfalls anfällig für die Entwicklung von Übergewicht werden. In ihrer Studie untersuchte ein Forscherteam aus Lübeck nun, inwieweit die Umgebungstemperatur in der Schwangerschaft Einfluss auf diese fötale metabolische Programmierung der Nachkommen hat. Eine kältere Außentemperatur in der Schwangerschaft hatte nicht nur einen Einfluss auf die spätere Größe der männlichen Nachkommen, sondern reduzierte auch deren Muskelwachstum und könnte somit die Entstehung von Typ-2-Diabetes begünstigen. Es bestehe jedoch kein Grund zur Panik. Die dokumentierten Veränderungen im Muskelwachstum und Stoffwechsel bei den Nachkommen könnten durch ausreichend Bewegung im Erwachsenenalter rückgängig gemacht werden. Da die Studien im Tiermodell durchgeführt wurden, sind zunächst größere epidemiologische Langzeitstudien an schwangeren Müttern und ihren Kindern notwendig, um die Übertragbarkeit dieser Beobachtung auf den Menschen zu bestätigen.

Quelle: Oelkrug R, et al. 2020. Brown fat thermogenesis programs glucose tolerance in the male offspring. Cell reports 03; 5