Kein Wort mehr über Corona heute. Ich bin ein sinnlicher Mensch. Ich schwitze gerne beim Sport. Ich esse und trinke gerne. Ich liebe den Geruch von Anisschnaps, das Gefühl eines Apfels in der Hand, Wind in den Haaren, das Ziehen meiner Muskeln, ja, selbst Muskelkater. Ich rieche gerne an Büchern, ich mag die glatte Oberfläche der Blätter meines Gummibaums, den Geruch von Knoblauch, das Prickeln eines frisch eingegossenen Glases Cidre. Espresso.

Ich mag luftige Kleidung und Gras unter den Füßen, ein kaltes Fußbad, Sonne im Gesicht, den Geruch von Sonnenmilch, das Gefühl eines langen Sommertages im Körper, alles ist warm, angenehm müde und entspannt. Die Haare sind noch nass, die Haut schmeckt salzig.

Wann komme ich endlich auf den Punkt, möchtet ihr vielleicht wissen? Der Stanko musste noch einen Text schreiben und ihm ist nichts eingefallen, ist eure Vermutung? Ich dachte, dieser Text kann vielleicht ein bisschen Trost spenden, euch und mir. Poesie als Lebenshilfe. Die Sehnsucht nach einer vergangenen und besseren Zeit ausdrücken.

Ich nehme meine Freunde gerne in den Arm. Ich fasse auch Patienten gerne an. Zumindest die meisten. Haptische Reize machen einen großen Teil meiner privaten und fachlichen Wahrnehmung aus. Ich liebe das Gefühl des Processus Coracoideus unter den Fingerspitzen, die Außenbänder am Fuß, die Konturen des Calcaneus oder einer Patella. Ich mag es, wenn sich unter meinen Händen Spannung verändert oder Bewegung entsteht. Und ich gebe mich dem gerne hin. Ich denke mit den Fingern, also bin ich.

Das geht gerade alles nicht mehr so einfach. Handschuhe finde ich furchtbar. Und der Mundschutz und ich? Freunde werden wir in diesem Leben nicht mehr. Ich spüre gerne meine Atmung, aber nicht das ständige Einatmen meiner eigenen verbrauchten Luft. Dann beschlägt die Brille, die Maske rutscht runter, dann zieht man sie wieder hoch, ach, soll man ja nicht. Gut, neuen Mundschutz rausholen, an den Ohren ist das auch unangenehm. Himmel, wie soll das gehen? Haptische Freuden sehen anders aus! An Rotwein denken. Hilft für zwei Minuten. 

Ich freue mich auf den Tag, an dem ich nicht mehr in 1,5- oder 2-Meter-Abständen denken muss oder an die neuen Zahlen des Robert Koch-Instituts. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich über die Straße gehe und mich nur über die Sonne freue und die freundlichen Menschen und deren schönen Bewegungen. Keinen Gedanken mehr an ihr wisst schon was.

Harry Potter hat zumindest seinen Zauberstab. Hoffentlich sind unsere Impfstoffzauberer bald erfolgreich! Das wünsche ich uns allen, von Herzen! Und hoffentlich sind sie schnell. Bis dahin … Kein bis dahin.

Haltet durch!

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