Früher ging man zum Arzt, Dorfapotheker oder Pfarrer, wenn man einen guten Rat, Beistand, einen Heilmittel-Tipp, ein freundliches Wort oder offenes Ohr brauchte. Heute geht man, wenn man bei Doktor Google zu viele Informationen trifft, zum Physiotherapeuten seines Vertrauens . Uns gibt es fast überall, gleich um die Ecke, in jeder Stadt, in jedem Land, zu Sprechzeiten, die über die üblichen weit hinausgehen.

Wir wissen Rat: Beim Ausfüllen von Formularen des Einwohnermeldeamts oder wo man nach Mitternacht entzündungshemmende Wildkräuter sammeln kann. Wir wissen, welcher Orthopäde freitagnachmittags die Praxis für Kassenpatienten geöffnet hat (keiner) und wir kennen auch jemanden, den man stattdessen konsultieren kann (uns). Wir können helfen, wenn ein anspruchsvolles Geschenk vonnöten ist, die Bundesligaergebnisse neu eingeschätzt werden, die aktuellen Entwicklungen der Coronapandemie aufgefrischt werden müssen oder ein ganz wundervoller Urlaubsort mit schnuckeligen Cafés gesucht wird.

Und ja, wir können auch Physiotherapie. Das wird häufig vergessen. Bei all den dringlichen Fragen zu Hörgeräten, Matratzen, Diäten, verordneten Medikamenten, Handyverträgen, Familienproblemen, Nachbarschaftsfragen oder Kunst- und Kulturveranstaltungen, könnten wir, wenn es gewollt ist, Übungen gegen Rückenschmerzen zeigen, Trainingstipps erörtern, Hemiplegien funktioneller machen, Gelenke beweglich machen, nur, um einige Beispiele zu nennen. Ich weiß, wir können noch sehr viel mehr.

Es gibt immer wieder Patienten, Verwandte oder Freunde, die ganz begeistert sagen: „Mensch, was du alles weist!“ Und ich antworte: „Ich bin doch Physiotherapeut!“ „Ach ja, das vergessen wir immer“, bekomme ich dann zur Antwort. Was bin ich oder was sind wir in deren Augen? Mutter Teresa? Der nette Mensch von nebenan? Eine NGO? Angehörige eines Berufszweigs, die scheinbar wenig Ecken und Kanten haben und immerzu sagen: „Ach, am Samstag kann ich nicht, da bin ich auf einer Fortbildung.“

Im Übrigen kann man bei mir jetzt auch eine Fortbildung buchen: Einfache Kommunikationstricks für ratlose Physios. Das erste Modul beinhaltet folgende Strategien: in drei Sätzen von der Weinbrandbohne zum Smoothie, von der Virusgrippe der Nachbarin zum selbst umgesetzten Arthroseselbsthilfeprogramm und vom Bewegungsmuffel zum Halbmarathonläufer. Weitere siebenundzwanzig Module werden folgen. Ich freue mich auf eure Buchungen!

Locker lassen live in eurer Einrichtung?

Lesungsanfragen an: info@literaturagentur.ruhr