Nachrichten & Menschen
pt Februar 2021

… und wieder locker lassen!

Wir gehen, also sind wir
Eine Glosse von Jörg Stanko
Lesezeit: ca. 2 Minuten
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Ich habe einen Kollegen, der gerne geht. Das ist eigentlich untertrieben. Er liebt es zu Gehen. Er macht nichts anderes. Also, er therapiert schon auch. Nebenher, zwischendurch. Wenn er nicht gerade über den Praxisflur hin und her läuft. Oder irgendwo noch kurz fünf bis sieben Stockwerke Treppen steigt. Seine Schrittzähler-App hat exorbitante Werte. Täglich mindestens 15.000 bis 25.000 Schritte. Wohingegen meine an einem normalen Praxistag gewöhnlich so bei 6.000 und ein paar Zerquetschten vor sich hin dümpelt.

Mein Kollege hat die seltene Gabe, andere zur Bewegung mitzureißen. Kaum steht man neben ihm, fängt man schon an zu vibrieren. Die Füße werden automatisch aktiviert. Die Knie wippen, die Hüften folgen. Schon läuft man. Sieht man sich nicht vor, hat man schnell die Stadtgrenze überquert oder findet sich in einem benachbarten Mittelgebirge wieder. Und das passiert alles ganz mühelos.

Fangen in meiner Gegenwart Patienten eher an zu reden, ohne Punkt und Komma, von vergangenen und zukünftigen Traumen, so aktiviert die Gegenwart meines Kollegen den unbewussten Bewegungsdrang, der in uns allen steckt. Wenn er über die Straße läuft, winken ihm Verkehrspolizisten, Kioskbesitzer und Dönerbudenbetreiber zu, werden Fahrräder schneller, schalten Ampeln auf grün, lösen sich Staus auf und drehen sich Insta-Tanzvideos von alleine. Einige Beobachter meinen, dass sich unter seinen Händen auch steife Gelenke wieder von selbst bewegen, Schmerzen verschwinden und Wunden schneller heilen. Handwurzelknochen erkennen ihren vorgesehenen Platz und funktionelle Unpässlichkeiten verschwinden.

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pt Februar 2021

Erschienen am 10. Februar 2021