Nachrichten & Menschen
pt November 2021

… und wieder locker lassen!

Natürlich kommt von Natur
Eine Kolumne von Jörg Stanko
Lesezeit: ca. 2 Minuten
Sylverarts Vectors / shutterstock.com

An den Stränden der Bretagne kann man ein interessantes Phänomen beobachten. Menschen jeglichen Alters betreiben „Wellen-Wandern“. Dabei handelt es sich um eine Art Walking im flachen Meerwasser. Bis zu den Knien, Hüften oder bis zum Hals eingetaucht, durchqueren Menschen freudig die Fluten. „Longe-Côte“ wurde 2005 eigentlich als Fitnessübung von einem Trainer für Mannschaftsrudern „erfunden“ und erfreut sich nun auch bei Einheimischen und Touristen einer großen Beliebtheit.

Warum erzähle ich davon? Seit vielen Jahren beschäftige ich mich damit, was gute, gesunde und natürliche Bewegungen ausmacht. Natürliche Bewegung halte ich auch für die gesündeste. In unseren Praxen und auf der Straße kann man meist nicht viel davon sehen. Bewegungen kommen gekünstelt daher, schmerzend, aufgepumpt, geschwächt, zeigend, voreingenommen, erhobenen Hauptes, hinkend, demonstrativ hinkend, sich schonend, bemüht, mit oder ohne Haltung, hölzern. Man kann diese Liste mit vielen weiteren Attributen vervollständigen. Aber wie viele Menschen, die sich mit ihren Bewegungen und in ihren Körpern wohlfühlen, sehen wir? Wenige. Ich zumindest. Selten kommt Eleganz vorbei, Geschmeidigkeit, Selbstverständlichkeit, Schönheit, Anmut.

Deshalb haben mich die Ausflüge an die bretonischen Strände so beeindruckt. Es ist nicht nur die Natürlichkeit der Bewegung im Wasser, die mich berührt hat. Es ist auch (im wahrsten Sinne des Wortes) die Natürlichkeit im Umgang mit der Natur. Das Meer ist da, also bewegt man sich im Meer. Diese Natürlichkeit fällt nicht auf, sie passt sich an. Man hat den Eindruck: Da sind Menschen in ihrem Element, in Bewegung, bei sich.

In den letzten Jahren ist viel über Umweltbewusstsein geschrieben worden. Wir beschäftigen uns damit, wie wir unsere Arbeit klimaneutral gestalten können, welchen Beitrag wir leisten können, damit sich die Erde so wenig wie möglich erhitzt. Ich denke, es lohnt sich auch – über die üblichen sinnvollen Fragen hinaus – sich damit zu beschäftigen, wie wir uns in unserem Bewegungslernen (wieder) der Natur annähern. Wie schaffen wir es, uns wie ein Fisch im Wasser zu bewegen? Wie werden wir stark wie ein Baum? Wer das von innen heraus spürt, sich verbunden fühlt, mit Natur, Bewegung und Mitmenschen, behandelt auch unseren Planeten besser, das wäre zumindest meine Hoffnung.

Stellen wir uns doch häufiger die Frage: Wo und wie lässt sich durch unser therapeutisches Handeln wieder Natürlichkeit herstellen.

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Lesungsanfragen an: info@literaturagentur.ruhr

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Erschienen am 10. November 2021