In dieser Studie wurden zwei verschiedene sechswöchige physiotherapeutische Behandlungsansätze im Lissaboner Umland verglichen: kombinierte Manuelle Therapie und spezifische Stabilisationsübungen (MT / KG) mit herkömmlicher Standardbehandlung (Haltungs- und Dehnungsübungen, aerobes Ausdauertraining, Massage, Edukation, Elektrotherapie). Die MT / KG (n = 32) erfolgte zweimal wöchentlich an zwölf Terminen für 45 Minuten. Sie beinhaltete passive Mobilisationen in Rückenlage (physiologische Flexion, Extension, Rotation und Lateralflexion) und bei Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen passive intervertebrale Mobilisation der oberen und unteren Halswirbelsäule in Bauchlage (nach Maitland). Zusätzlich erfolgte die progressive Aktivierung und Kräftigung der tiefen HWS-Flexoren in drei Phasen (nach Jull et al.) zur Verbesserung der kraniozervikalen Flexion und der motorischen Kontrolle. Die Teilnehmer übten in verschiedenen Positionen, anfänglich in Rückenlage unter Biofeedback-Kontrolle (Stabilizer), später auch als Progression in funktionelleren Ausgangsstellungen und gegen körpereigene Widerstände durch das Anheben von Kopf und Armen gegen die Schwerkraft. Die herkömmliche Physiotherapie (n = 32) erfolgte individuell dreimal in der Woche für jeweils 45 bis 60 Minuten. Die 64 Patienten (18 bis 64 Jahre) mit unspezifischem chronischen Nackenschmerz wurden in zwei Gruppen randomisiert und primär hinsichtlich Einschränkungen (Neck Disability Index – NDI) untersucht. Die sekundären Zielgrößen umfassten die Schmerzintensität (Numerische Ratingskala – NRS) und den individuell wahrgenommenen Therapieerfolg (Patient Global Impression Change – PGIC). Die Untersuchungen erfolgten vor Interventionsbeginn, im Therapieverlauf (nach drei Wochen), am Ende der Therapie (nach sechs Wochen) sowie drei Monate später.

Drei Patienten pro Gruppe beendeten die Studie aus persönlichen und zeitlichen Gründen nicht. Es gab keine unerwünschten Nebenwirkungen. Die beiden Therapiegruppen unterschieden sich zu Therapiebeginn nicht (NDI, NRS), jedoch zu allen weiteren Untersuchungszeitpunkten. Die MT / KG-Gruppe hatte nach drei und sechs Wochen weniger Einschränkungen im NDI. Dies war auch drei Monate nach Therapieende festzustellen. Gegenüber der herkömmlichen Physiotherapie hatte die MT / KG-Gruppe am Therapieende und bei der letzten Nachuntersuchung weniger Schmerzen (NRS zwei versus fünf). Im individuell wahrgenommenen Therapieerfolg waren die Patienten der Interventionsgruppe den Kontrollpersonen nur in der Nachuntersuchung nach drei Monaten überlegen. An diesem letzten Nachuntersuchungstermin hatten sich alle Patienten der Interventionsgruppe klinisch relevant im NDI verbessert, aber nur 59 Prozent der Kontrollpersonen. Eine Behandlung aus gezielten manuellen Mobilisationen und spezifischen Stabilisations- und Kräftigungsübungen war somit bei den Patienten erfolgreicher, obwohl sie seltener und kürzer durchgeführt wurde als die Standard-Physiotherapie.

Quelle: Domingues L, et al. 2019. Is a combined programme of manual therapy and exercise more effective than usual care in patients with non-specific chronic neck pain? A randomized controlled trial. Clin. Rehabil. Sep 24. [Epub ahead of print]

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31549519