Fernsehwerbung setzt auf visuelle Reize: Wir sehen, wie beispielsweise jemand genüsslich in einen Schokoriegel beißt, und schon macht sich unser Magen bemerkbar. Visuelle Reize bieten also eine Möglichkeit, unser Empfinden zu beeinflussen. Forscher machen sich das zunutze und experimentieren mit dem Einsatz von visuellen Reizen bei chronischen Schmerzpatienten. Die Ergebnisse verbreitern den Behandlungsspielraum und ermöglichen neue Therapieansätze.

Chronische Schmerzen

In der deutschen Bevölkerung gehören Rückenschmerzen zu den am häufigsten behandelten Krankheiten. Frauen sind stärker betroffen als Männer, und mit dem Alter nehmen Dauer und Stärke der Schmerzen zu. Fast jeder Dritte litt schon mindestens einmal im Leben unter Rückenschmerzen (1). Als Rückenschmerz wird Schmerz in der Region unterhalb des Rippenbogens und oberhalb der Gesäßfalte bezeichnet. Er lässt sich anhand folgender Kriterien klassifizieren: Ursache, Dauer der Schmerzen, Schmerzstärke, Funktionsbeeinträchtigung und Chronifizierungsstadium (2). Es gibt jedoch keinen einheitlichen Labortest und keine technisch unterstützte Untersuchung, die sicher belegen oder widerlegen, dass es sich um somatischen Rückenschmerz handelt. Die empfundenen Schmerzen sind eine subjektive Erfahrung, zu der andere nur indirekt Zugang haben. Wenn Schmerz chronifiziert, hat er seine Warnfunktion vor Verletzungen oder Gefahren verloren und einen eigenen Krankheitswert entwickelt. Um chronischen Schmerz zielgerichtet behandeln zu können, ist es wichtig, den Mechanismus der Chronifizierung zu verstehen und Behandlungsmethoden zu entwickeln, die diesen berücksichtigen (1). Einen guten Anhaltspunkt bieten dabei die Leitlinien für nichtspezifischen Kreuzschmerz (2).