Genesen Patienten mit Schleudertrauma (Whiplash-Associated Disorders – WAD) nicht zeitnah, sollten sie gemäß den geltenden Leitlinien zügig einem Spezialisten vorgestellt werden. Australische Wissenschaftler überprüften in einer qualitativen Studie nun, ob diese Empfehlung in der Praxis umgesetzt wird und falls nicht, wieso. Sie führten sechs Fokusgruppeninterviews mit 16 Praktikern der Primärversorgung und zwölf spezialisierten Physiotherapeuten durch. Insgesamt zehn Themenfelder kristallisierten sich heraus. Obwohl es klare Vorstellungen gab, wann ein betroffener Patient einem Spezialisten vorgestellt werden sollte, überwiesen die Praktiker der Primärversorgung ihre Patienten eher zur Wiedervorstellung an andere Ärzte und seltener an Physiotherapeuten. Obwohl die Überweisung an einen spezialisierten Therapeuten als Alternative anerkannt wurde, gab es Unstimmigkeit darüber, was diesen auszeichnen sollte und wann der Patient überwiesen werden sollte. Die zuweisenden Praktiker wünschten sich im Falle einer Überweisung an einen Physiotherapeuten eine enge Zusammenarbeit. Die Überweisung von WAD-Patienten, deren Beschwerden unter medizinischer Behandlung nicht besser werden, an einen spezialisierten Physiotherapeuten ist also theoretisch ohne Weiteres möglich, aber es bestehen Barrieren. Diese gilt es abzubauen, um eine effektive Patientenversorgung zu implementieren.