Was können wir zur Verbesserung unserer Situation beitragen? Physiotherapeuten verdienen zu wenig. Ihre Arbeitsbedingungen erschweren eine patientengerechte Versorgung. Die Anerkennung im medizinischen Team und in der Gesellschaft könnte besser sein. Uneinheitliches Vorgehen, fehlende Leitlinien und mangelnde Evidenz bremsen die Politiker, unseren Beruf zu fördern. Es ist an uns allen, das zu ändern!

Farbenfroher Reichtum oder trauriges Durcheinander?

Es gebe „einen bunten Strauß möglicher physiotherapeutischer Maßnahmen“, schreibt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen im Gutachten 2018 (siehe Kasten). Wir alle kennen die zahlreichen Konzepte in der Physiotherapie, zu denen ständig neue hinzukommen. Viele basieren auf Vorstellungen, die nicht nur wenig Evidenz aufweisen, sondern auch mit dem medizinisch anerkannten Wissen nicht immer haltbar sind. Der Sachverständigenrat, dessen Stimme zu Themen wie mehr Verantwortung und folglich auch mehr Bezahlung gewichtig ist, fordert mehr leitliniengerechte und evidenzbasierte Versorgung in der Physiotherapie. Davon sind wir mit unserer Konzeptvielfalt weit entfernt. Wenn ein Arzt beispielsweise Manuelle Therapie verordnet, kann er nicht wissen, was sein Patient erhalten wird: Denn die über 80 Anbieter der Weiterbildung Manuelle Therapie in Deutschland unterrichten oft sehr unterschiedliche Inhalte. Wenige davon sind evidenzbasiert und einige widersprechen gar den wissenschaftlichen Empfehlungen. Nicht einmal in dieser physiotherapeutischen Spezialisierung, die den Anspruch erhebt, evidenzbasiert zu sein, haben wir ein einheitliches Paradigma, das alle Therapeuten verpflichtet, die gleiche Behandlung anzuwenden oder doch zumindest nach den gleichen Prinzipien vorzugehen.