Wie steht es um die bekannten Gütekriterien Validität und Reliabilität in der Manuellen Therapie? Wie gut können Tests Veränderungen messen? Und wie viele Patienten müssten Therapeuten statistisch betrachtet behandeln, um bei einem Betroffenen eine Verbesserung zu erreichen? Wir müssen uns diese Fragen stellen, denn bisherige Untersuchungen zeigen ein kritisches Bild.

Die Manuelle Therapie (MT) ist ein etablierter Bestandteil der muskuloskeletalen Physiotherapie. Sie folgt der verfügbaren wissenschaftlichen und klinischen Evidenz. Zahlreich sind die Studien zur Wirksamkeit der MT mit teils widersprüchlichen Ergebnissen (1, 2). Doch wie steht es um die wissenschaftlichen Gütekriterien wesentlicher Paradigmen der MT? Der folgende Beitrag wirft in diesem ersten Teil einige Fragen dazu auf. Der Versuch einer Antwort im zweiten Teil führt dann zur Unterscheidung zwischen der strukturellen und funktionellen Sichtweise. Die wissenschaftlichen Gütekriterien passen gut zur einen und weniger gut zur anderen Perspektive. Manualtherapeuten sollten sich dieser Schwachpunkte bewusst sein, um Lösungen dafür zu erarbeiten. Es ist fragwürdig, ob die Energie und das Geld, das wir in das Erlernen möglicher Schwachpunkte investieren, gut angelegt sind.