Bei der Untersuchung von Kindern mit Zerebralparese ist die pathologische Muskelaktivität auffällig: Sie ist teilweise überaktiv, spastisch, dyston, hypoton oder fehlt gänzlich. Die Spastik steht als „Problem“ im Mittelpunkt von Diagnostik und Therapie. Aber ist es nach derzeitigem Wissensstand tatsächlich gerechtfertigt, jede Spastik zu reduzieren und muskuläre Verkürzungen zu verlängern, um eine normale Muskelaktivität zu generieren?

Zahlreiche Studien der Biomechanik, Sportwissenschaften und Medizin zum Thema Muskel bei Zerebralparese (cerebral palsy – CP) zeigen, dass das Wissen zur Struktur, Funktion und vor allem zur erstaunlich guten Adaptationsfähigkeit und Trainierbarkeit des Muskels bei Kindern mit CP in den letzten Jahren rasch zugenommen hat. Aber nach wie vor bleiben zahlreiche Fragen ungeklärt. Wir gehen heute davon aus, dass jede Behandlung, die zu einer Schwächung der Muskulatur führt, für den Patienten ungünstig ist. Alle die Muskelkraft schwächenden medikamentösen und operativen Behandlungsverfahren müssen kritisch hinterfragt oder überhaupt vermieden werden, während Muskelkrafttraining gezielt eingesetzt werden soll. Die Indikation zur Funktionsverbesserung sollte biomechanisch begründet und streng gestellt werden.