Geld allein macht nicht glücklich. Arm sein aber auch nicht. Ein in Vollzeit arbeitender Therapeut in freier Niederlassung bekommt in Deutschland im Durchschnitt ein Jahresbruttogehalt von 25.000 Euro – das ist schon für eine einzelne Person sehr wenig. Wer eine Familie versorgen möchte und womöglich in einer größeren Stadt wohnt, braucht wohl einen Nebenjob. Das muss sich ändern. Und aktuell sind wir nah dran.

Gefühlte Jahrzehnte war physiotherapeutische Berufspolitik eher gemächlich. Vieles fand hinter verschlossenen Türen statt. Die meistens von uns beschränkten sich darauf, eine gewisse Unzufriedenheit zu kultivieren, manchmal auch zu artikulieren – aber im Wesentlichen sprachen wir über die letzte und die kommende Fortbildung oder über falsch ausgefüllte Heilmittelverordnungen. Alles ging so seinen Gang. Für das Politische waren die Verbände verantwortlich.

Nach ihrem Selbstverständnis waren und sind Verbände vor allem für ihre Mitglieder zuständig, und wenn sie über ihr Tun sprechen oder es gelegentlich rechtfertigen (müssen), so ist es in ihrer Eigenwahrnehmung nicht nötig, den gesamten Berufsstand oder die breite Öffentlichkeit miteinzubeziehen. Darin liegt eine der großen Herausforderungen für die Zukunft. Wenn – und hier greifen wir in der aktuellen Entwicklung etwas vor – ein Bundesgesundheitsminister dem Spitzenverband der Heilmittelerbringer (SHV) eine führende Rolle für Verhandlungen zuweist (1), so ist dieser Spitzenverband nicht mehr nur für seine Mitglieder verantwortlich, sondern für den ganzen Berufsstand. Dies bringt einige Herausforderungen mit sich.