[mk] Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sollten Erwachsene maximal fünf Gramm Salz pro Tag zu sich nehmen. Dies entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel. Tatsächlich überschreiten viele Deutsche diesen Grenzwert aber deutlich: Einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts zufolge beläuft sich die aufgenommene Menge im Schnitt ungefähr auf den doppelten Wert – mit bedenklichen Folgen. Eine Studie um ein Forscherteam der Universität Bonn konnte nun erstmals nachweisen, dass eine übermäßige Salzzufuhr einen zentralen Bereich des Immunsystems schwächt.

Auf den ersten Blick scheint das überschüssige Salz für die Physiologie nicht kritisch zu sein, da es von den Nieren herausgefiltert und über den Urin ausgeschieden wird. Auf diese Weise gelangt es nicht weiter in den Organismus. Die Krux ist bei den indirekt beteiligten Prozessen zu suchen. Bei der Ausscheidung des überschüssigen Salzes ist ein Natriumchlorid-Sensor beteiligt, der als unerwünschte Nebenwirkung dafür sorgt, dass sich im Körper Glukokortikoide anhäufen. Diese wiederum hemmen die Funktion der Granulozyten, Fresszellen des Immunsystems im Blut. Im Tierversuch wurden Mäuse übermäßig salzreich ernährt. Im Falle von Bakterieninfektionen lag in den Organen der Tiere eine 100- bis 1.000-fache Menge der Keime vor. Auch heilten Harnwegsinfekte erheblich langsamer ab.

Auf das Immunsystem von Menschen scheint sich überschüssiges Natriumchlorid ebenfalls negativ auszuwirken. Datengrundlage waren Freiwillige, die täglich sechs Gramm Salz zusätzlich zu sich nahmen. Das entspricht etwa der Menge, die in zwei Fastfood-Mahlzeiten enthalten ist. Eine Blutanalyse ergab, dass die Immunzellen deutlich schlechter mit Bakterien fertigwurden, nachdem die Versuchspersonen begonnen hatten, sich salzreich zu ernähren.

Literatur

Jobin K, et al. 2020. A high-salt diet compromises antibacterial neutrophil responses through hormonal perturbation. Science Translational Medicine 12: 536