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ASH entwickelt einen onlinebasierten Studiengang

Die meisten Physiotherapeuten haben ihre Ausbildung noch an einer Fachschule absolviert. Wenn sie eine akademische Qualifizierung anstreben, können sie dies also nur im Anschluss an die Ausbildung in der Regel berufsbegleitend erreichen. Es ist wichtig, dass solche Weiterbildungsstudiengänge eine hohe Flexibilität ermöglichen; ein vollständig onlinebasierter Studiengang bietet hier optimale Chancen.

 

Akademisierung in den Gesundheitsfachberufen

Die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe, insbesondere der Pflege, Physio- und Ergotherapie, der Logopädie und des Hebammenwesens, ist gesundheits- und bildungspolitisch gewünscht. Die Zahl der angebotenen Studiengänge für diese Berufe steigt stetig. Für die Physiotherapie existieren derzeit über 50 verschiedene Bachelor- und Masterstudiengänge. Dennoch liegt die Akademisierungsquote für diese Berufsgruppen weit unter den vom Wissenschaftsrat geforderten 20 Prozent.

Mehr als 95 Prozent der berufstätigen Physiotherapeuten haben ihren Berufsabschluss nicht an einer Hochschule, sondern – wie bis zur Einführung der Modellklausel üblich – an einer Berufsfachschule erworben. Berufstätige gehören mit zu den sogenannten nicht traditionell Studierenden. Diese Gruppe möchte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit seinem Förderprogramm „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ gezielt ansprechen.

 

Health Care Professional: ein onlinebasierter Studiengang

An der Alice Salomon Hochschule Berlin wird im Rahmen dieses Programms ein Projekt zur Entwicklung eines onlinebasierten Studiengangs „Health Care Professionals (HCP) – Bachelor Interprofessionelle Versorgung und Management“ gefördert. Zur Zielgruppe des Projektes gehören Pflegekräfte, Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden mit einem schulischen Berufsabschluss und mindestens zwei Jahren Berufserfahrung. Eine besondere Herausforderung stellt das Format des Studiengangs dar: Geplant ist ein onlinebasiertes Fernstudium.

 

Konzeptionelle Herausforderung

Es sollen neue, innovative Lehrformate entwickelt und erprobt werden, die es den Studierenden ermöglichen, ihre Zeit für das Studium flexibel einzuteilen und online in einen interprofessionellen Diskurs mit anderen Studierenden zu treten. In der ersten Phase des Projektes (August 2014 bis Januar 2018) wird es vorrangig darum gehen, das fachliche und organisatorische Konzept des Studiengangs zu entwickeln und durch empirisch gewonnene Erkenntnisse abzusichern. Es ist vorgesehen, diverse Untersuchungen und Befragungen durchzuführen, um insbesondere Fragen wie diese zu beantworten:

  • Welche Kompetenzen sollen im Rahmen des Studiums aus Sicht der Arbeitgeber in Krankenhäusern, Praxen, Reha-Zentren, Pflegeheimen und anderen vermittelt werden?
  • Welche Qualifizierungsbedarfe haben die Berufstätigen im Gesundheitswesen und welche Unterstützungsangebote (Brückenkurse, Mentorensystem) benötigen sie, um ein Studium aufzunehmen, das mit Beruf und Familie vereinbar ist?
  • Mit welchen didaktischen Konzepten lassen sich der gewünschte Theorie-Praxis-Transfer und der interprofessionelle Austausch gewährleisten?

 

 

Förderung einer interdisziplinären Arbeitsweise

Insbesondere die Erfordernisse des beruflichen Handelns im Praxisalltag mit dem Fokus auf interdisziplinäre Zusammenarbeit am Patienten und die spezifischen Bedürfnisse der Zielgruppe spielen bei der Entwicklung des Studiengangs eine tragende Rolle. Hierzu wurden bereits Fokusgruppen mit Studierenden zu den Themen interdisziplinäre Versorgung, Theorie-Praxis-Transfer und interprofessionelle Lehre im Studium durchgeführt. Eine bundesweite Online-Befragung erfasst, welche Anforderungen Berufstätige im Gesundheitswesen konkret an ein Studium stellen, was sie motiviert, zu studieren, und welche Kompetenzen sie in Bezug auf interprofessionelle Patientenversorgung erwerben möchten.

 

Arbeitgeber einbeziehen

Ebenso sollen die Erwartungen der Arbeitgeber, deren Möglichkeiten zur Unterstützung studierender Angestellter und denkbare berufliche Entwicklungsperspektiven für Studierende online erhoben werden. Beide Befragungen starten im Sommer dieses Jahres und bilden die Basis für die Konzeption des onlinebasierten Studiengangs Health Care Professionals.

Link zum Projekt: www.health-care-professionals-online.de

 

Oben v.l.n.r.: Silke Trock, Prof. Elke Kraus, Prof. Theda Borde, Dr. Eva-Maria Beck;  unten v.l.n.r.: Wibke Hollweg, Christine Blümke, Katrin Schulenburg

Oben v.l.n.r.: Silke Trock, Prof. Elke Kraus, Prof. Theda Borde, Dr. Eva-Maria Beck;
unten v.l.n.r.: Wibke Hollweg, Christine Blümke, Katrin Schulenburg

 

pt_online: 18.05.2015


Autor

Christine Blümke

Seit 2001 Physiotherapeutin; 2007 B. Sc. Physiotherapie; 2010 M. Sc. Mana­gement und Qualitätssicherung im Gesundheitswesen; wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Alice Salomon Hochschule Berlin; bis 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Geriatrie der Charité Berlin.

bluemke@ash-berlin.eu

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