_Praxis

Der Nationale Gesundheitsberuferat

Alle Akteure im Gesundheitswesen müssen miteinander reden!

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Wir werden dringend gebraucht – denn ohne die Gesundheitsberufe geht es nicht! Gleichzeitig ist klar, dass sich die Anforderungen in unserem Gesundheitssystem zukünftig ändern werden: Traditionell gewachsene Berufsbilder wandeln sich, neue Berufe entstehen, Verantwortlichkeiten verteilen sich neu. Dies muss dringend sinnvoll koordiniert werden. Ein großes Problem scheint jedoch zu sein, dass die wichtigsten Akteure und Institutionen zu wenig miteinander reden. Der Verein zur Förderung eines Nationalen Gesundheitsberuferates möchte diese Lücke schließen. Informieren Sie sich über die Ziele des Vereins – Unterstützung dringend erwünscht!

Gründung des Vereins

 

Der Vorstand des Vereins: (v.l.n.r.) Prof. Dr. Thomas Bals, Prof. Dr. iur. Gerhard Igl, Ethel ­Narbei, Dr. Almut Satrapa-Schill, Manfred Hopfeld

Der Vorstand des Vereins: (v.l.n.r.) Prof. Dr. Thomas Bals, Prof. Dr. iur. Gerhard Igl, Ethel ­Narbei, Dr. Almut Satrapa-Schill, Manfred Hopfeld

 

Im Januar 2014 wurde der gemeinnützige Verein zur Förderung eines Nationalen Gesundheitsberuferates e. V. (NGBR) gegründet. Dieser Verein stellt nicht den Nationalen Gesundheitsberuferat dar, sondern will die Errichtung eines solchen Rates fördern und begleiten (Kasten_Leitlinien des Vereins).

 

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Die Gründungsmitglieder des Vereins sehen ein großes Problem darin, dass die verantwortlichen Akteure des Gesundheits­wesens nicht oder nicht genügend über die Belange der Gesundheitsberufe sprechen. Es fehle an der notwendigen Kommunikation und Kooperation zwischen den Gesundheitsberufen sowie zwischen Gesundheitswirtschaft, Bildungsanbietern und staat­lichen Institutionen (Abb. 1).

 

Abb. 1_Ein defizitärer Dialog! Das soll sich durch den Nationalen Gesundheitsberuferat ändern. Quelle: Verein zur Förderung eines Nationalen Gesundheitsberuferates, 2015

Abb. 1_Ein defizitärer Dialog! Das soll sich durch den Nationalen Gesundheitsberuferat ändern.
Quelle: Verein zur Förderung eines Nationalen Gesundheitsberuferates, 2015

 

Nach Einschätzung des Vereins reicht es nicht aus, neue und bessere Versorgungsstrukturen zu planen, wenn das gesundheitsdienstleistende Personal nicht adäquat ausgebildet ist. So sei zum Beispiel eine Qualifizierung auf hochschu­lischem Niveau zwar sinnvoll und gewünscht, doch dürfe sich diese nicht nur an hochschulischen Forschungsbelangen orientieren, sondern müsse die Absolventen angemessen auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereiten. Gleichzeitig sei eine angemessene Vergütungsstruktur erforderlich (1).


Gesundheitsberufe neu denken, Gesundheitsberufe neu regeln

 

So lautete der Titel einer Denkschrift der Robert Bosch Stiftung aus dem Jahr 2013. Darin wird aufgezeigt, dass die Veränderungsprozesse in unserer Gesellschaft, die Folgen des demografischen Wandels und ein verändertes Krankheitsspektrum eine Umgestaltung unseres Gesundheitswesens und seiner Berufsgruppen erforderlich machen:

»Der tiefgreifende Wandel macht auch vor den bestehenden Profilen und Rollen der Gesundheitsberufe nicht halt und legt eine Überarbeitung der bisher den jeweiligen Gesundheitsberufen zugeschriebenen Kompetenzen nahe. Neben klar umschriebenen und differenzierten Berufs- und akademischen Ausbildungsgängen und -abschlüssen, neben der Vorbereitung auf lebenslanges und interdisziplinäres Lernen und der Anwendung evidenzbasierter und interdisziplinär ausgerichteter Lernzielkataloge sind nun neue rechtliche Regelungen für die Gesundheitsberufe angesagt.« (2)

Es muss eine unabhängige Institution geben, die den Dialog koordiniert, inhaltlich vorbereitet und kontinuierlich in Gang hält – das war für die Arbeitsgruppe, welche die Denkschrift erarbeitet und verfasst hat, eine logische und zwingende Konsequenz. So kam es zur Gründung des Vereins zur Förderung eines Nationalen Gesundheitsberuferates.


Expertise und Neutralität

 

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Dr. Almut Satrapa-Schill ist eines der Gründungsmitglieder (Kasten). Ich habe mit ihr gesprochen und war beeindruckt von dem unermüdlichen ehrenamtlichen Engagement für das Gesundheitswesen, das in den letzten Monaten von ihr und den anderen Vorstands- beziehungsweise Gründungsmitgliedern aufgebracht wurde. Es müsse darum gehen, alle wichtigen Akteure zusammenzubringen, betonte sie.

Auf meine Frage, welche Unterstützung der Verein jetzt benötigt, erklärte Dr. Satrapa-Schill: »Es ist immens wichtig, dass man auf unsere Arbeit aufmerksam wird. Das erreichen wir einerseits über ­einen mitgliedsstarken Verein, in dem idealerweise alle wichtigen Bereiche des Gesundheitswesens abgebildet sind, und andererseits durch die aktive Beteiligung an Veranstaltungen sowie durch den politischen Dialog. Zur Zeit hat der Verein knapp 50 Mitglieder, es sollten so schnell wie möglich mehr werden.

Darüber hinaus ist aber auch die Unterstützung von Institutionen aus dem Bereich der Gesundheitswirtschaft erfor­derlich: Krankenkassen, Krankenhausträger, Gesundheitsunternehmen, aber auch Kommunen und Wohlfahrtsverbände. Es ist wichtig, die maßgeblichen Akteure für die Gründung eines Nationalen Gesundheitsberuferates zu gewinnen, für die Umsetzung der Idee eine institu­tionelle Form zu finden und deren verlässliche ­Finanzierung sicherzustellen.

Die größte Stärke des Vereins liegt in der Expertise der Beteiligten und in deren Neutralität. Es ist besonders wichtig, dass diese Neutralität gewahrt bleibt und der Nationale Gesundheitsberuferat zukünftig unabhängig von wirtschaftlichen und berufsverbandlichen Partikularinteressen beratend tätig werden kann« (Kasten_Handlungsleitende Grundsätze des Vereins).

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Unterstützung dringend ­erforderlich!

 

Als ich auf den Verein aufmerksam wurde, haben mich die Anliegen und Ziele sofort überzeugt.
Ein Nationaler Gesundheitsberuferat könnte helfen, die fach- und hochschu­lische Ausbildung in den Gesundheits­berufen auf die tatsächlichen Anforderungen im Gesundheitswesen abzustimmen und die Vielfältigkeit der Tätigkeitsbereiche in unserem System abzubilden und zu regeln. Mit seiner Unterstützung könnten die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die für eine effiziente und qualitätsvolle Gesundheitsversorgung von morgen notwendig sind.

Denn eine gute Patientenversorgung wird nur gelingen, wenn genügend und gut ausgebildetes, zufriedenes Personal im Gesundheitswesen tätig ist. Bezogen auf die Physiotherapeuten darf es nicht sein, dass die hochschulische Qualifi­zierung aufgrund einer fehlenden Koor­dinierung dazu beiträgt, dass Kollegen aus den Berufen »abwandern« und der Fachkräftemangel dadurch noch verstärkt wird (3).

Meine Hoffnung ist, dass die Anstrengungen des Vereins erfolgreich sind und in der Gründung eines Nationalen Gesundheitsberuferates münden. Der Jahresbeitrag für den Verein beträgt für natürliche Personen 50 Euro, für juristische Mitglieder 500 Euro. Ich hoffe sehr, dass sich viele unserer Leser für eine Mitgliedschaft entscheiden oder den Verein mit Spenden unterstützen – denn es geht auch um die Zukunft unseres Therapieberufes!

 

Heftnummer: 12-2015


Literatur

  1. Igl G, Satrapa-Schill A. 2015. Der Nationale ­Gesundheitsberuferat als Dialogforum. ProAlter 3:54–7
  2. Robert Bosch Stiftung. 2013. Gesundheitsberufe neu denken, Gesundheitsberufe neu regeln. Grundsätze und Perspektiven – Eine Denkschrift der Robert Bosch Stiftung.
    daten2.verwaltungs­portal.de/dateien/seitengenerator/2013_gesundheitsberufe_online_einzelseiten.pdf
    Zugriff am 12.10.2015.
    Siehe auch: Expertinnen und Experten des Dialogs über Deutschlands Zukunft. 2012. ­Vorschlag 7: Neuzuschnitt der Gesundheitsberufe. In Dialog über Deutschlands Zukunft. Ergebnis­bericht des Expertendialogs der Bundeskanzlerin 2011 / 2012.
    dialog-ueber-deutschland.bundeskanzlerin.de/SharedDocs/Downloads/DE/Ergebnisbericht/2012-09-10-Langfassung-barrierefrei.pdf
    Zugriff am 20.10.2015
  3. Ripberger D. 2015. Perspektivlosigkeit in der Physiotherapie? Z. f. Physiotherapeuten 67, 9:18–20

Autor

Martina Grosch

Erwachsenenbildung (M.A.); Gesundheitswissenschaften (B.Sc.); Physiotherapeutin; Freiberufliche Tätigkeit als pt_Redakteurin und Hochschuldozentin.

grosch@pflaum.de

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