_Magazin

Interessiert euch und seid aktiv!

Im Gespräch mit Theresa Rau

.

Theresa Rau ist 25 Jahre jung und mittlerweile Sprecherin im Landes-Junioren-Rat bei PHYSIO-DEUTSCHLAND, Landesverband Bayern. Die Therapeutin lebt und arbeitet in München. Sie ist mit Leib und Seele Physiotherapeutin und wünscht sich von der Politik vor allem eins: mehr Anerkennung für unsere Arbeit!

.

Foto: TLaoPhotography / shutterstock.com

Wie bist du dazu gekommen, dich im Verband zu engagieren? Warst du schon immer politisch interessiert?

Schon während meiner ersten Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin war ich wegen der schlechten Rahmenbedingungen im Bereich der Gesundheitsberufe unzufrieden. Und dieser Eindruck verstärkte sich nur noch während meiner zweiten Ausbildung zur Physiotherapeutin. Der Beruf ist toll, die Arbeit wichtig, aber Anerkennung und Vergütung lassen zu wünschen übrig. Den Grundstein für meine berufspolitischen Aktivitäten hat wahrscheinlich der Berufskundeunterricht gelegt. Wir haben viel über die Verbände und deren Arbeit gelernt. Und im Rahmen der Kampagne „38,7 Prozent mehr wert“ habe ich bei einem Flashmob mitgemacht. Etwas beitragen zu können, hat mich zufrieden gemacht. Hinzu kamen interessante Gespräche auf Kongressen mit berufspolitisch aktiven Kollegen. Für mich war schnell klar: Ich möchte nicht nur meckern, ich möchte mich engagieren.

Du bist eines von fünf Mitgliedern im LandesJuniorenRat. Welche Aufgaben übernehmt ihr?

Grundsätzlich stehen wir natürlich für alle Fragen und Probleme in Bezug auf die Ausbildung und den Berufseinstieg zur Verfügung. Wir organisieren jährlich das Treffen der Landes-Junioren im Landesverband Bayern – das heißt einen Tag mit Workshops und Vorträgen rund um Ausbildung, fachlich Aktuelles und Berufspolitik. Diese Treffen sind offen für alle Junioren, also auch für Nichtmitglieder. Das nächste Meeting findet am 5. Mai 2018 an der Berufsfachschule in Günzburg statt. Wir vertreten die Schüler und Berufseinsteiger auf allen Ebenen und halten natürlich auch engen Kontakt zu den Junioren der anderen Landesverbände. Ich arbeite dabei sehr eng mit meinem Stellvertreter Florian Lahner sowie der Ausbildungs- und Berufseinsteigerbeauftragten Miriam Schwarzlmüller zusammen. Zudem sind wir bei den monatlichen Vorstandssitzungen dabei und können uns so im Landesverband vielfältig einbringen. Die Belange von Schülern, Studierenden und Berufseinsteigern werden im Vorstand bei den Sitzungen angesprochen und finden so Gehör.

Welche Wünsche und Themen sind für Schüler und Berufseinsteiger momentan aktuell?

Wir werden ganz oft gefragt, was es denn mit der Akademisierung auf sich hat und wie sich die Berufsaussichten nach einem Studium eventuell verändern. Aufgrund der derzeitigen Situation ist eine eindeutige Antwort darauf natürlich schwierig. Einige wünschen sich auch eine Modernisierung der Ausbildungsstrukturen, damit mehr junge Menschen den Weg in den Beruf finden. Ansonsten ist das Thema Verdienstmöglichkeiten ein Dauerbrenner, viele Kollegen suchen auch nach Orientierung im Fortbildungsangebot.

In den letzten Monaten hat sich berufspolitisch ja einiges getan, Stichwort HHVG. Wie kommen diese Themen bei Berufseinsteigern an?

Überraschenderweise – oder auch erschreckenderweise – kennen viele junge Kollegen die neuen Entwicklungen gar nicht. Das berufspolitische Interesse ist leider sehr gering. Berufs- und Gesundheitspolitik sind eher trockene Themen und es ist schwer, die Aufmerksamkeit der Berufseinsteiger dafür zu bekommen – trotz der unbefriedigenden Situation. Ich versuche, in meinem Umfeld aufzuklären und für die Themen zu sensibilisieren. Das ist nicht leicht.

Was bedeutet die Arbeit im Verband für dich persönlich?

Ich bin nicht jemand, der sich nur beschwert – ich will etwas verändern. Durch meine Arbeit im Verband bin ich aktiv und trage zur Verbesserung bei, das ist mir wichtig. Die Junioren haben eine Stimme im Verband und die wird auch gehört. Und nebenbei bemerkt macht die berufspolitische Arbeit auch Spaß …

Was wünschst du dir von der Politik für die Zukunft?

Von der Berufspolitik wünsche ich mir, dass wir es gemeinsam schaffen, eine Berufskammer einzuführen. Ich möchte langfristig den Direktzugang – vorausgesetzt, Ausbildung und Studium bereiten darauf adäquat vor. Von der Politik im Allgemeinen wünsche ich mir vor allem mehr Anerkennung für unsere Arbeit mit den Patienten. Genau wie ich ergreifen viele Kollegen diesen Beruf aus Leidenschaft. Und die braucht man wohl auch, um unter den derzeitigen Rahmenbedingungen als Therapeut zu arbeiten. Und von den Kollegen wünsche ich mir auch etwas: Interessiert euch und seid aktiv – egal auf welche Art.

Das Gespräch führte Tanja Boßmann.

HHVG: Refresher
Die Abkürzung HHVG steht für das Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung, das im März 2017 in Kraft getreten ist. Die wichtigsten Neuerungen aus der Perspektive der Heilmittelerbringer sind:

  • die Einführung von Modellvorhaben zur Blankoverordnung und
  • die Entkoppelung der Vergütungssteigerung von der Grundlohnsumme – zunächst für die kommenden drei Jahre.
  • Bei einer Blankoverordnung stellt der Arzt das Rezept aus und trägt die Diagnose ein; über Art, Frequenz und Dauer der Behandlung entscheidet aber der Therapeut.

Durch die Entkoppelung der Vergütungssteigerung von der Grundlohnsumme sind nun Gebührenabschlüsse über die jährlich neu bewertete Steigerungsrate hinaus möglich. 2017 liegt die Steigerungsrate der Grundlohnsumme bei +2,5 Prozent. Für 2018 hat das Bundesministerium für Gesundheit eine Steigerungsrate von +2,97 Prozent bekannt gegeben. Ohne das HHVG wären die Vergütungssteigerungen auf diese Werte begrenzt gewesen; durch das Gesetz liegen die aktuellen Gebührenabschlüsse darüber.

Mehr Infos: www.physio-deutschland.de/fachkreise/news-bundesweit/einzelansicht/artikel/thema-des-monats-verguetung-heute-neue-uebersich.html

 

Gesprächspartnerin

Theresa Rau

Foto: PHYSIO-DEUTSCHLAND, LV Bayern

Gesundheits- und Krankenpflegerin; seit 2016 Physiotherapeutin; angestellt in einer Praxis in München; seit 2017 Sprecherin im Landes-Junioren-Rat bei PHYSIO-DEUTSCHLAND, Landesverband Bayern. Kontakt: ljrs@bay.physio-deutschland.de

Heft 1-2018

Autor

Tanja Boßmann

Physiotherapeutin; 2007 Abschluss des Masterstudiums an der Phi­lipps-Universität Marburg; Chefredakteurin, pt_Zeitschrift für Physiotherapeuten; seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin Fakultät für Sport- und Ge­sund­heitwissenschaften, FB kons. und rehab. Orthopädie, Technische Universität München.

tanja.bossmann@pflaum.de

Teilen & Feedback