Der Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für ein Disease-Management-Programm (DMP) für Osteoporosepatienten wurde von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) positiv aufgenommen. Das Programm basiert auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen und der aktuellen AWMF-S3 Leitlinie Osteoporose des Dachverbandes Osteologie e.V.

Schleichende Erkrankung

[jr] Das im Januar beschlossene Behandlungsprogramm ist für Menschen entwickelt, bei denen eine medikamentös behandlungsbedürftige Osteoporose diagnostiziert wurde. Die DGE betont jedoch, dass weiterhin Defizite im Rahmen der Früherkennung bestehen, welche essenziell für eine frühzeitige Behandlung der Erkrankung ist.

Osteoporose betrifft vor allem ältere Menschen, wobei Frauen nach der Menopause den Großteil der Erkrankten ausmachen. In Deutschland sind etwa sechs Millionen Menschen und davon 80 Prozent Frauen betroffen. Oft bemerken die Betroffenen gar nichts.

„Häufig wird die Osteoporose erst erkannt, wenn Knochen oder Wirbelkörper bereits gebrochen sind“, erklärt Professor Dr. med. Heide Siggelkow, Ärztliche Leiterin MVZ Endokrinologikum Göttingen und Mitglied der Sektion Knochenstoffwechsel der DGE.

Diese bemängelt schon seit geraumer Zeit, dass zahlreiche Betroffene selbst nach Knochenbrüchen nicht adäquat mit Medikamenten behandelt werden. Neben der medikamentösen Therapie sind regelmäßige Bewegung, eine gesunde Ernährung und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin, sowie geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen als Präventionsmaßnahmen ausschlaggebend.

Leitliniengestützte Behandlung & Schulungen

„Es reicht aber nicht, Patienten dies einmal aufzuzählen und dann zu hoffen, dass sie es erfolgreich umsetzen“, sagt Siggelkow. „Das neue DMP garantiert eine leitliniengestützte Behandlung und sieht zudem Schulungen für die Patienten vor. Das wird die Behandlungsqualität auf Dauer erhöhen“, vermutet die Expertin. „Zu lange wurde die Osteoporose bei vielen Patienten nicht adäquat behandelt. Mit dem DMP steigt nun die Chance, dass viele der Patienten mit einem hohen Risiko für einen osteoporotischen Knochenbruch nicht nur eine wirksame Medikation erhalten, sondern auch durch Schulungen, Ernährungsberatungen und Rehasport oder Funktionstraining unterstützt werden“, ergänzt Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE.

In bestimmten festgelegten Abständen finden Kontrolluntersuchungen statt. Somit können Veränderungen im Krankheitsverlauf sofort erkannt und doppelte Untersuchungen vermieden werden. Der behandelnde Arzt koordiniert alle Schritte und dokumentiert sie. „Ein wichtiger und richtiger Schritt für eine bessere Behandlung von Osteoporose-Patienten“, so Siggelkow.

Bevor es losgehen kann muss das Programm zunächst vom Bundesministerium für Gesundheit geprüft werden. Zudem müssen die gesetzlichen Krankenkassen entsprechende Umsetzungsverträge mit Ärzten und Krankenhäusern schließen. Grundsätzlich können Frauen ab dem vollendeten 50. Lebensjahr und Männer ab dem vollendeten 60. Lebensjahr in das Programm aufgenommen werden. Grundvoraussetzung ist das Vorliegen der Indikation einer medikamentös behandlungsbedürftigen Osteoporose.

 

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie