Noch bis Ende September 2020 entscheidet die Berufsqualifikation Physiotherapeut über die Möglichkeit, Kursangebote bei der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) zertifizieren zu lassen. Ab 1. Oktober erfolgt die Prüfung von Qualifikationen der Kursleiter auf Basis neuer Mindeststandards. Diese Neuregelungen hat der GKV-Spitzenverband beschlossen.

[js] Ab 1. Oktober 2020 entspricht der Berufsabschluss Physiotherapeut nicht mehr automatisch der Anbieterqualifikation des GKV-Spitzenverband für durch die ZPP zertifizierte Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung.

Heterogene Berufsgruppen

Der GKV-Spitzenverband begründet dies damit, dass aufgrund der heterogenen Berufsgruppen, die mittlerweile im Präventionsbereich und der Gesundheitsförderung tätig sind, die Eingangsvoraussetzungen zu den Präventionskursen „bewusst hoch angesiedelt werden mussten und deshalb im aktuellen Handlungsleitfaden ab dem Stichtag generell keine Berufsgruppen mehr genannt werden“, schreibt Physio-Deutschland in einer Mitteilung vom 3. Februar.

Ab Oktober 2020 müssen Kursleitende vorgegebene Mindeststandards in verschiedenen Kompetenzfeldern gemäß Leitfaden Prävention, Handlungsfelder und Kriterien nach § 20 Abs. 2 SGB V nachweisen.

Übersicht der Kompetenzfelder mit Mindeststundenzahl, wie sie der GKV-Spitzenverband festgelegt hat:

  • Trainings- und Bewegungswissenschaften (150 Stunden)
  • Medizin (150 Stunden)
  • Pädagogik, Psychologie (150 Stunden)
  • Pathologie, Pathophysiologie (120 Stunden)
  • Theorie und Praxis der Sportarten und Bewegungsfelder (150 Stunden in Präsenz)
  • Grundlagen der Gesundheitsförderung und Prävention (30 Stunden)
  • Frei wählbar aus den oben genannten Inhalten (120 Stunden)

Qualifikation am Ende der Ausbildung bescheinigen lassen

Physio-Deutschland hat im Dezember 2019 bundesweit alle Schulen und Hochschulen über die anstehenden Änderungen informiert. „Nach Rücksprache mit den für die Prüfung der Qualifikationsvoraussetzungen beauftragten Vertretern des vdek können Schulen und Hochschulen ihren Absolventen bescheinigen, dass die oben genannten Mindeststandards im Rahmen der Ausbildung bereits vermittelt wurden. Mit Vorlage dieser Bescheinigung ist der Zugang zu einer Zertifizierung von Kursen bei der ZPP auch nach dem 1. Oktober 2020 ohne Nachqualifizierungsmaßnahme möglich“, so der Verband.

Einlenken der Kostenträger erfolgte bisher nicht

Für Physio-Deutschland ist diese Neuregelung „weder nachvollziehbar noch gerechtfertigt.“

„Physiotherapeuten sind Spezialisten für Bewegung. Wir können Krankheiten und Beschwerden therapieren, aber wir können diesen auch vorbeugen“, so der Verband weiter.

„Es gab zahlreiche Gespräche mit den Verantwortlichen der ZPP und den für dieses Thema zuständigen Vertretern des vdek, um sicherzustellen, dass Physiotherapeuten auch weiterhin  ohne weiteren Nachweis einer Anbieterqualifikation im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung tätig werden können. Ein Einlenken der Kostenträger erfolgte hier allerdings nicht. Nichtsdestotrotz bleibt für Physio-Deutschland die Prävention und Gesundheitsförderung weiter ein wichtiges Tätigkeitsfeld, in dem Physiotherapeuten aktiv sein sollten“, schreibt der Verband abschließend.

Vergangene Woche gab der Verband bereits Hinweise zum Bestandsschutz.

 

Quelle: Physio-Deutschland. 2020. Prävention: ab Oktober 2020 – Kompetenzfelder statt Berufsqualifikation. https://www.physio-deutschland.de/fachkreise/news-bundesweit/einzelansicht/artikel/praevention-ab-oktober-2020-kompetenzfelder-statt-berufsqualifikation.html; Zugriff am 4.2.2020

 

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