Es gibt einige neue Erkenntnisse und Ansätze, die bei der Therapie, beziehungsweise der Vorhersage des Schweregrads einer potenziellen Erkrankung an Covid-19 nützlich sein könnten.

Inkubationszeit

[jr] Die von niederländischen Wissenschaftlern berechnete durchschnittliche Inkubationszeit beträgt 6,4 Tage. Das bedeutet, die ersten Symptome treten nach einer Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 nach etwa sechs Tagen auf. Es gibt jedoch auch Fälle, bei denen das Virus sehr viel schneller oder aber auch sehr spät erst ausbricht. Das Robert-Koch-Institut nennt hier eine Spanne von bis zu 2 Wochen. Als Inkubationszeitraum wird der Zeitraum zwischen einer Infektion mit dem Virus und dem Auftreten der ersten Symptome bezeichnet. Diese Angabe spielt vor allem bei der Erwägung einer eventuellen Quarantäne eine große Rolle. Die Forscher werteten hierzu Daten von 88 bestätigten Fällen aus Wuhan aus.

Originalstudie

Backer, J. A., Klinkenberg, D., & Wallinga, J. (2020). Incubation period of 2019 novel coronavirus (2019-nCoV) infections among travellers from Wuhan, China, 20-28 January 2020. Euro Surveillance : Bulletin Europeen Sur Les Maladies Transmissibles = European Communicable Disease Bulletin, 25(5).

Risikofaktoren für einen tödlichen Covid-19-Verlauf

Wissenschaftler aus China analysierten in ihrer retrospektiven, multizentrischen Kohortenstudie Risikofaktoren für einen tödlichen Verlauf von Covid-19 bei 191 hospitalisierten Patienten aus Wuhan, die gemäß Laborbefund an Covid-19 erkrankten und aufgrund dessen stationär behandelt wurden. Nach ihrer Analyse waren diese ein höheres Alter, ein höherer SOFA (Sequential Organ Failure Assessment)-Wert und ein D-Dimer von > 1 μg/ml. Der SOFA-Wert dient der Beurteilung von Intensivpatienten und klassifiziert das Ausmaß der Organdysfunktion. D-Dimere zeigen unspezifisch an, dass sich Blutgerinnsel im Körper gebildet haben. Bei schweren COVID-19-Erkrankungen sahen die Wissenschaftler außerdem erhöhte Konzentrationen von IL-6, Troponinin-I und von der Laktatdehydrogenase sowie ein vermehrtes Auftreten der Lymphopenie. Bei den 137 Patienten, die die Viruserkrankung überlebten und aus dem Krankenhaus entlassen wurden, stellten die Wissenschaftler eine mediane Virusausscheidung von 20 Tagen fest (Interquartilsabstand IQR: 17 bis 24 Tage). Die längste beobachtete Virusausscheidung betrug 37 Tage. Nicht überlebende Patienten schieden das Virus bis zu ihrem Tod aus.
Die Daten zeigen, dass die Isolation von infizierten Patienten aufgrund der langwierigen Virusausscheidung gerechtfertigt ist.

Originalstudie

Fei Zhou, MD, Ting Yu, MD, Ronghui Du, MD, Guohui Fan, MS, Ying Liu, MD, Zhibo Liu, MD et al. Clinical course and risk factors for mortality of adult inpatients with COVID-19 in Wuhan, China: a retrospective cohort study. The Lancet, March 11, 2020

Probleme bei Diagnosestellung durch Co-Infektion mit Influenza

Influenza und COVID-19 verursachen sehr ähnliche Symptome, hauptsächlich Fieber und trockenen Husten. Bei beiden Erkrankungen kann eine Lungenentzündung auftreten. Chinesische Wissenschaftler beschrieben jetzt einen Fall einer Co-Infektion mit SARS-CoV-2 und Influenza-Viren. Bedingt durch die Co-Infektion fielen beide Rachenabstriche des betroffenen Patienten negativ aus. Die Forscher testeten erneut auf SARS-CoV-2 sowie Influenza A und B und humane respiratorische Synzytial-Viren. SARS-CoV-2 lies sich nur durch Sequenzierung von Proben aus der Lunge oder durch rRT-PCR des Sputums nachweisen. Der Test für Influenza A fiel positiv aus. Der Patient wurde nach Hause entlassen und erhielt Oseltamivir. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler ist, dass die Sensitivität von Abstrichen aus den oberen Atemwegen unzureichend sein könnte. Sequenzierung von Proben aus den Lungen könnten daher als Diagnosetest besser geeignet sein, vor allem wenn der Patient schon positiv auf Grippe getestet wurde.

Originalstudie

Xiaojing Wu, Ying Cai, Xu Huang, Xin Yu, Li Zhao, Fan Wang, Quanguo Li, Sichao Gu, Teng Xu, Yongjun Li, Binghuai Lu  , and Qingyuan Zhan. 2020. Co-infection with SARS-CoV-2 and Influenza A Virus in Patient with Pneumonia, China. Emerg Infect Dis. Vol 26 No.6.

Potenzielle Wirkstoffe im Kampf gegen das neue Coronavirus

Bisher gibt es keine Medikamente, die gezielt den Virus und seine Vermehrung verhindern. Eine Therapie erfolgt dementsprechend bislnag nur symptomatisch. Einige Stoffe sind jedoch momentan in der Testphase und werden von chinesischen Wissenschaftlern als vielversprechend angesehen. Hierzu zählen folgende Virustatika: Remdesivir, Lopinavir/Ritonavir, Lopinavir/Ritonavir in Kombination mit  Interferon-β, Rekonvaleszenten-Plasma (also das Blutplasma von infizierten Patienten, die wieder gesund sind) und monoklonale Antikörper. Diese Wirkstoffe könnten gegen das neue Coronavirus wirksam sein. Studien, die die Wirksamkeit der Wirkstoffe im Kampf gegen das neue Coronavirus untersuchen, stehen noch aus, wurden teilweise jedoch schon begonnen. Unwirksam hingegen sind antivirale Wirkstoffe, die häufig im klinischen Alltag eingesetzt werden unter anderem: Neuraminidase-Hemmer (wie Oseltamivir, Peramivir, Zanamivir) und andere Virustatika wie Ganciclovir, Aciclovir und Ribavirin. Diese Virustatika scheinen gegen SARS-CoV-2 nicht wirksam zu sein und werden daher von den Wissenschaftlern nicht empfohlen.

Originalstudie

Li H, Wang YM, Xu JY, Cao B. Potential antiviral therapeutics for 2019 Novel Coronavirus. Zhonghua Jie He He Hu Xi Za Zhi. 2020 Mar 12;43(3):170-172.

Chloroquin

Erste Daten aus China deuten darauf hin, dass Chloroquin, welches ein weites Spektrum an antivirale Eigenschaften aufweist, auch gegen SARS-CoV-2 helfen könnte. Teilweise wird der Wirkstoff bereits bei Patienten, die sich mit dem neuen Coronavirus infiziert haben, eingesetzt. Aussagekräftige Studien stehen zwar noch aus. Aus diesem Grund entwickelte die multizentrische Kollaborationsgruppe des Departments für Wissenschaft und Technologie der Provinz Guangdong und der Gesundheitskommission der Provinz Guangdong für Chloroquin bei der Behandlung der neuartigen Coronavirus-Pneumonie nach umfassender Diskussion einen Expertenkonsens. Die Empfehlung lautete wie folgt: Patienten mit milder, mittelschwerer und schwerer Covid-19 sollten, sofern sie keine Kontraindikation für Chloroquin aufweisen, zweimal täglich 500 mg Chloroquin in Tablettenform erhalten – und zwar 10 Tage lang. Ob dieser Ansatz sich bewährt, lässt sich jedoch erst sagen, wenn genügend geeignete Daten zur Verfügung stehen.

Originalstudie

Multicenter collaboration group of Department of Science and Technology of Guangdong Province and Health Commission of Guangdong Province for chloroquine in the treatment of novel coronavirus pneumonia. Expert consensus on chloroquine phosphate for the treatment of novel coronavirus pneumonia. Zhonghua Jie He He Hu Xi Za Zhi. 2020 Mar 12;43(3):185-188.

Lymphopenie

Für die Mehrzahl Betroffener verläuft eine Infektion mit dem Coronavirus glimpflich. Für einige Menschen besteht jedoch das Risiko einer schweren Erkrankung und sogar Lebensgefahr. Für Mediziner gibt es aufgrund der erwarteten Zahl von Fällen daher mehrere wichtige Fragen:Wie kann man Menschen mit hohem Risiko für schwerste Verläufe früh erkennen? Mit welchen Komplikationen ist bei solchen Verläufen zu rechnen? Können manche solcher Komplikationen verhindert werden? Spanische Wissenschaftler schlagen Lymphopenie als Merkmal für Covid-19 vor. Die Anzahl der Lymphozyten könnte als Marker bei der Diagnosenstellung herangezogen werden, um schwere Fälle möglichst frühzeitig zu erkennen. Auch könnten Medikamente gegen Lymphopenie oder bei Gefäßschäden eingesetzt werden, um die Symptome zu mildern. Das Forschungsteam um Bernejo-Martin griff mehrere Studien auf und ergänzte diese mit ihren eigenen Forschungen zu Gefäßschädigungen. Wissenschaftler hatten in Studien bereits berichtet, dass 85 % der kritisch Erkrankten Patienten mit Covid-19 eine Lymphopenie entwickelten. Bei einer Lymphopenie liegen zu wenige Lymphozyten vor. Tödlich verlaufende Fälle hatten eine anhaltende Lymphopenie. Eine andere Studie berichtete bei kritischen Patienten von erhöhten Zytokin-Werten. Bernejo-Martin und Kollegen fassten diese Symptomatik (Lymphopenie und Hyperzytokinemie) als einen bestimmten immunologischen Phänotyp zusammen: die lymphopenischen CAP (L-CAP, community acquired pneumonia). Diese Symptome gingen nach ihren eigenen Daten mit schwerer Erkrankung, einer erhöhen Sterblichkeit und einer fehlgesteuerten Immunantwort einher.

Originalstudie

Bermejo-Martin, J. F., Almansa, R., Menéndez, R., Mendez, R., Kelvin, D. J., & Torres, A. (2020). Lymphopenic community acquired pneumonia as signature of severe COVID-19 infection. Journal of Infection, 0(0).

Quelle: Deutsches Gesundheitsportal