Kinder scheinen allgemein weniger stark von den Symptomen der neuartigen Erkrankung Covid-19 betroffen zu sein. Warum das so ist, versuchen Wissenschaftler weltweit momentan herauszufinden, denn das könnte der Schlüssel für eine geeignete Therapie sein.

[jr] Im Zuge dieser Fragestellung, analysierten Forscher aus China Patientendaten, die vom 16. Januar bis zum 8. Februar 2020 von 2143 Kindern aus der Hubei Provinz gesammelt wurden.

65,9 Prozent der Kinder hatten aufgrund der Symptome einen Verdacht auf Covid-19, 34,1 Prozent war durch Labortests bestätigt. Das mittlere Alter der Patienten betrug sieben Jahre. Davon waren 56,6 Prozent Jungen 43,4 Prozent Mädchen. Über 90 Prozent aller Patienten waren asymptomatisch oder zeigten milde, beziehungsweise moderate Symptome.

Die genaue Aufschlüsselung war wie folgt:

4,4 Prozent der Kinder waren asymptomatisch, 50,9 Prozent hatten eine milde Ausprägung der Symptome, 38,8 Prozent zeigten moderate Symptome. 5,9 Prozent befanden sich im kritischen Stadium. Im Vergleich hierzu liegt die Prozentzahl der kritisch erkrankten Erwachsenen bei 18,5.
Die durchschnittliche Zeit zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und der gesicherten Diagnose betrug zwei Tage. Bisher gibt es nur einen bestätigten Todesfall eines Kindes der Studie. Hierbei handelt es sich um einen 14-jährigen Jungen.

Wirtszellenrezeptor

Warum genau das neuartige Coronavirus bei Kindern offenbar nicht die Schwere der Symptomatik, wie bei Erwachsenen hervorruft, ist bisher noch unklar.

Die Wissenschaftler vermuten jedoch, dass das sich noch in der Entwicklung befindliche Immunsystem der Kinder hierbei eine ausschlaggebende Rolle spielt.

Das Angiotensin-konvertierende Enzym II (ACE2) ist der bekannte Zellrezeptor für SARS-CoV. Das bedeutet über diesen spezifischen Zellrezeptor kann das Virus an die Wirtszelle binden und in diese eindringen. Das neuartige SARS-CoV-2 Virus weist einige Aminosäure-Homologien zu SARS-Cov auf, was verstärkt darauf hindeutet, dass auch diese neue Virusform denselben Wirtszellen-Rezeptor nutzt. In Kindern ist der Reifegrad und die Funktion dieses Rezeptors noch nicht vollkommen erreicht, zum Beispiel die Bindekapazität. Das könnte ein möglicher Grund sein, weshalb Kinder weniger sensitiv gegenüber SARS-Cov-2 sind.

Virale Antikörper

Zudem spekulieren die Forscher, dass Kinder allgemein verstärkt oberen Atemwegsinfekten ausgesetzt sind. Einige davon sind Respiratorische Synzytial-Virus-Infektionen (RSV). Daher verfügen die Kinder wahrscheinlich über eine höhere Anzahl viraler Antikörper, als dies bei Erwachsenen der Fall ist.

Höheres Risiko für Säuglinge

Laut der Studie besteht bei Säuglingen ein deutlich höheres Risiko einer schweren Verlaufsform als bei älteren Kindern. 11% der Säuglinge hatten schwerwiegende Symptome. Bei den Kleinkindern zwischen ein und fünf Jahren waren es sieben Prozent. Vier Prozent bei den sechs bis zehnjährigen, vier Prozent bei den elf bis 15-jährigen und drei Prozent bei den Kindern, die 16 Jahre oder älter waren. Eine mögliche Erklärung warum das Virus bei Säuglingen schwerwiegendere Symptome aufweisen kann, besteht in der Tatsache, dass es sich bei SARS-CoV-2 um eine neue Art des Coronavirus handelt. Mütter verfügen dementsprechend (noch) nicht über die entsprechenden Antikörper, welche sie an die Kinder weitergeben könnten.

Anzumerken ist hierbei, dass es sich bei der Studie um einen zeitlich sehr begrenzten Rahmen handelte mit einem hohen Prozentsatz an schwerwiegenden und kritischen Fällen, die jedoch nicht alle labordiagnostisch bestätigt waren. Bei diesen Fällen könnte es sich auch um andere Atemwegsinfektionen gehandelt haben.

 

Quelle: Dong Y, Mo X, Hu Y, et al. 2020. Epidemiological characteristics of 2143 pediatric patients with 2019 coronavirus disease in China. Pediatrics. doi: 10.1542/peds.2020-0702