Von Logopäden und anderen Dingen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verkündete heute Mittag weitere Maßnahmen um die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Was bedeuten seine Aussagen für die Physiotherapeuten in Bayern? Außerdem: Zwischenabrechnungen, bürokratischen Erleichterungen und Telemedizin. (Stand: 20.3., 16:45 Uhr)

[js] „Jeder kann auch weiterhin medizinisch versorgt werden und zum Arzt gehen, aber es gibt für einige Bereiche Einschränkungen: Physiotherapeuten beispielsweise, nur in Notdienst, in Notfällen. Andere Dinge, wie Logopäden und Ergotherapeuten, werden geschlossen haben“, so der O-Ton des bayerischen Ministerpräsidenten in einer Pressekonferenz am 20. März gegen 12:30 Uhr.

Der Freistaat ist fest entschlossen dem Virus entgegenzutreten. Man kann gespannt darauf sein, wie nun andere Bundesländer und der Bund auf die vorläufige Ausgangsbeschränkung Bayerns reagieren.

Jeder Behandler muss im Einzelfall entscheiden

Die physiotherapeutische Community reagierte zunächst verwirrt. Wie kann man diese Aussage interpretieren? Physio-Deutschland reagierte ziemlich schnell mit einer Erklärung (1), der Landesverband Bayern kommunizierte diese Erklärung ebenso. Hier das Statement:

Können Patienten weiterhin zur Physiotherapie kommen? 
Ja, denn jeder Arzt, der aktuell eine Verordnung über Physiotherapie ausstellt, wird in der momentanen Situation neben der Frage, ob ein Behandlung medizinisch notwendig ist, auch abwägen, ob eine Behandlung mit Blick auf mögliche Infektionsrisiken dringend erforderlich oder doch aufschiebbar ist. Hinweis für ältere Verordnungen: Hier muss jeder Behandler im Einzelfall entscheiden, ob die Behandlung unter den gegebenen Umständen dringend erforderlich ist.

Bleiben die Physiotherapie-Praxen weiterhin geöffnet? 
Ja, nach Aussage der Bundesregierung sollen alle medizinischen Einrichtungen weiterhin geöffnet bleiben. Ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass der Bedarf an Therapieangeboten im ambulanten Bereich  bei einem Anstieg der Covid-19-Patienten, die stationär versorgt werden müssen zunimmt, da andere Patientengruppen (z.B. Unfallpatienten) nicht mehr stationär versorgt werden können.

Wäre eine flächendeckende Praxisschließung mit Blick auf die Existenzsicherung nicht die beste Lösung? 
Nein, wird die Praxis vom Gesundheitsamt oder einer anderen Behörde als reine Schutzmaßnahme geschlossen (§28 Infektionsschutzgesetz), gelten für die Praxisinhaber keinerlei Ersatzansprüche. Damit würde den Praxen ein ähnliches Schicksal wie den Gastronomen und den Fitness-Studio-Betreiber drohen! Nur eine Schließung aufgrund eines Infektionsfalles in der Praxis im Sinne des § 31 (Ifsg) sichert Praxisinhabern entsprechende Entschädigungen.

Dennoch gilt: Um unserer wichtigen Verantwortung für die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung in Deutschland nachzukommen, benötigen unsere Physiotherapiepraxen eine entsprechende Ausstattung mit Desinfektionsmitteln, Einmalhandschuhen und Mund-Nasen-Schutz. Physio-Deutschland hat deshalb die Landesregierungen aufgefordert, unverzüglich eine Verteilung dieser Artikel an die Praxen vorzunehmen! „Außerdem ist die Politik gefragt, schnellstmöglich einen Rettungsschirm über unseren um die Existenz kämpfenden Praxen aufzuspannen“, so der Verband weiter.

Zwischenabrechnungen, bürokratischen Erleichterungen und Telemedizin

„Um es gleich klar vorweg zu sagen: Ohne zusätzliche Finanzhilfen können die Physiotherapiepraxen die derzeitige Corona-Krise wirtschaftlich nicht überstehen“, stellt der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) angesichts des Maßnahmenpakets, das der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen(GKV-SV) jetzt veröffentlichte, in einer Erklärung vom 19. März klar. Der GKV-SV möchte Heilmittelerbringer mit Zwischenabrechnungen, bürokratischen Erleichterungen und Telemedizin entlasten.

„Es ist unbedingt notwendig, dass schnell und unbürokratisch Finanzhilfen bereitgestellt werden“

„Um Bürokratie abzubauen, sind diese Maßnahmen sinnvoll. Sie helfen aber keineswegs, die wirtschaftliche Situation der Physiotherapiepraxen jetzt zu sichern“, kritisiert der IFK. „Es ist unbedingt notwendig, dass schnell und unbürokratisch Finanzhilfen bereitgestellt werden, damit alle Physiotherapiepraxen die derzeitige wirtschaftliche Krise überstehen können“, wiederholt der IFK seine Forderung. Die IFK-Vertreter arbeiten weiterhin mit Hochdruck daran, weiterführende Lösungen zu schaffen, die den Praxisinhabern endlich finanzielle Sicherheit geben.

Die Maßnahmen des GKV gelten ab sofort bis einschließlich 30. April 2020 und umfassen:

Bürokratische Erleichterungen

1) Fristen ausgesetzt

  • Bestehende Fristen bei Behandlungsbeginn und -unterbrechung von i. d. R. 14 Kalendertagen werden ausgesetzt. Die Dauer der Unterbrechung von Behandlungen wird nicht mehr geprüft, wenn der letzte Behandlungstag vor der Unterbrechung nach dem 17. Februar 2020 liegt. Gleiches gilt für den Behandlungsbeginn für alle nach dem 18. Februar 2020 ausgestellten Verordnungen.
  • Sofern eine Verordnung außerhalb des Regelfalls fällt, wird dies nicht beanstandet. Dies kann zum Beispiel aufgrund des verspäteten Behandlungsbeginns oder längerer Unterbrechungen, die die 12-Wochen-Frist überschreiten, geschehen.
  • Die Regelungen zur Lockerung der Fristen gelten für alle ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, nicht aber für Behandlungen im Entlassmanagement.

2) Fehlerhafte Angaben korrigieren

  • Leistungserbringer können alle fehlerhaften Angaben auf der Heilmittelverordnung außer der Art des Heilmittels und der Verordnungsmenge eigenständig korrigieren. Eine Änderung bzw. Ergänzung der Verordnung durch den Vertragsarzt bzw. eine Rücksprache mit dem Vertragsarzt ist hierzu nicht notwendig.

Zwischenabrechnungen

  • Bereits beendete oder abgebrochene Verordnungen können jederzeit – und nicht nur einmal pro Monat – abgerechnet werden.
  • Auch Teilabrechnungen bereits erbrachter Leistungen werden ermöglicht.

Möglichkeit zur Telemedizin

  • Videobehandlungen sind für die folgenden Positionen grundsätzlich möglich: Allgemeine Krankengymnastik (20501), KG-Mukoviszidose (20702),Bewegungstherapie/Übungsbehandlung in Einzelbehandlung (20301).
  • Sofern Behandlungen bei diesen Heilmitteln aus therapeutischer Sicht auch im Rahmen einer Videobehandlung stattfinden können, ist dies mit vorheriger Einwilligung der Versicherten möglich.

 

Quellen:

  1. Physio-Deutschland. 2020. Ausgangsbeschränkungen und Notfallbehandlung in der Physiotherapie: Wir klären auf! https://pt.rpv.media/er; Zugriff am 20.3.2020
  2. IFK. 2020. Corona-Krise: GKV stellt Sonderregelungen vor. https://pt.rpv.media/ed; Zugriff am 20.3.2020

 

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