Wasser ist für viele therapeutische Zwecke ein nützliches Element. Die abfedernden Effekte, der Bewegungswiderstand bei gleichzeitigem Auftrieb, sowie verschiedene Temperaturen können Therapien sinnvoll unterstützen. Wissenschaftler untersuchten nun die Effektivität von plyometrischem Training im Wasser und der Halliwick-Methode bei Patienten mit MS.

[jr] Aquatherapie wird schon lange Zeit bei MS angewendet. Bisherige Forschungsergebnisse zeigten eine Verbesserung des Gleichgewichts, der Muskelstärke, der Stimmung, der neuronalen Plastizität und der Schmerzen. In ihrer aktuellen Studie verglichen türkische Forscher die Effekte zweier verschiedener Formen von Aquatherapie auf das Körpergleichgewicht beziehungsweise die Körperstabilität und die Handfunktion bei MS-Patienten.

Klassische Aquatherapie vs. Plyometrisches Training

Die Halliwick-Methode dient der Verbesserung von Koordination und Gleichgewicht und findet vor allem bei Kindern und Patienten mit neurologischen Erkrankungen Anwendung. Plyometrisches Training wird üblicherweise zur Leistungssteigerung im Profisport angewendet. Es handelt sich hierbei um ein schnelles Sprungtraining, das mit viel Kraft erfolgt und bei welchem der Bodenkontakt möglichst gering gehalten werden soll. Diese Art von Training erfordert nicht nur Kraft, sondern auch Gleichgewichtskoordination und Muskelreflexe. Für neurologische Patienten könnte dies dementsprechend förderlich sein. Bisherige Studien zeigten, dass plyometrisches Training im Wasser einen ähnlichen Effekt hat, wie Training an Land. Ob dies auch für Patienten mit MS zutrifft, sollte mit dieser Studie gezeigt werden.

Körperstabilität und Handfunktion

Hierzu wurden 30 Menschen mit MS zufällig auf die zwei Trainingsgruppen verteilt. Die Interventionen beider Methoden wurden jeweils zweimal pro Woche über einen Zeitraum von acht Wochen durchgeführt. Das Aquatraining fand in einem 1,20 m tiefen Becken und bei einer Wassertemperatur von 30-31°C statt.

Zur Ermittlung der Therapieeffekte wurde die Körperstabilität mit Hilfe des „Limits of Stability Test“ (LOS-Test) untersucht. Dabei sollten die Patienten barfuß mit geöffneten Augen auf einer stabilen Unterlage stehen und sich willentlich stabil noch vorne lehnen. Gemessen wurde dabei, wie weit sich die Patienten stabil für mehrere Sekunden gekippt halten konnten. Zur Messung der Handgeschicklichkeit wurde der 9-Hole-Peg Test durchgeführt.

Klassische Aquatherapie effektiver

Beim LOS-Test zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Körperstabilität bei beiden Interventionsgruppen (p < 0,05). Die Teilnehmer der Hallwick-Gruppe führten den Test jedoch signifikant schneller durch. Das bedeutet, sie erreichten in kürzerer Zeit die stabile Kipphaltung (p < 0,05). Zudem war eine signifikante Verbesserung der Handfunktion bei beiden Interventionsgruppen zu beobachten (p < 0,01). Der direkte Vergleich beider Trainingsgruppen zeigte signifikant größere Verbesserungen bei der Halliwick-Gruppe sowohl hinsichtlich der Handgeschicklichkeit, als auch der Körperstabilität (p < 0,05).

Plyometrisches Training im Wasser hat positive Effekte auf die Körperstabilität und die Handfunktion bei Menschen, welche an Multipler Sklerose erkrankt sind. Die Halliwick-Methode scheint jedoch effektiver zu sein.

 

Quellen: Deutsches Gesundheitsportal, Originalstudie, Wasserspezifische Therapie