Es gibt mehr und mehr Hinweise darauf, dass ein sogenanntes Prodrom, also eine Vorstufe der MS existiert. Verschiedene Studien beschäftigen sich nun mit der Frage, welche Symptome im MS-Prodrom besonders auf die spätere Erkrankung hindeuten. Es gibt Anzeichen, dass sich die Symptome hinsichtlich des Geschlechts und Alters unterscheiden.

[jr] Die frühzeitige Erkennung der MS-Vorstufe könnte helfen, MS-Patienten schneller zu identifizieren und die Krankheit früh im Verlauf zu behandeln.
Daher versuchten kanadische Forscher festzustellen, welche Symptome das sogenannte Prodrom kennzeichnen. Die Wissenschaftler untersuchten, ob Symptome wie Fatigue, Schlafstörungen, Anämie oder Schmerz Bestandteile eines MS-Prodroms sein könnten.

Symptome

Im Zuge der Kohortenstudie wurden administrative und klinische Daten von MS-Patienten und passenden Kontrollen zusammengeführt und verglichen. Anhand dieser Daten bestimmten die Forscher wie wahrscheinlich Fatigue, Schlafstörungen, Anämie und Schmerz in den fünf Jahren vor einer gesicherten MS-Diagnose (erste Symptome oder erste Diagnose einer Myelinschicht-Schädigung) auftraten. Diese Daten wurden mit der Wahrscheinlichkeit solcher Symptome mit der Kontrollgruppe verglichen, welche Personen aus der allgemeinen Bevölkerung enthielt. Zudem wurde die Frequenz der Arztbesuche aufgrund derartiger Probleme verglichen. Bei der Analyse wurde sowohl Alter als auch Geschlecht der Personen berücksichtigt.

Die Daten von 6 863 MS-Patienten konnten vor dem Eintritt der ersten Demyelinisierung ermittelt und mit den Daten von 31865 passenden Kontrollen verglichen werden. Von 966 der MS-Patienten lagen Daten vor Symptombeginn vor, die mit 4 534 passenden Kontrollen verglichen wurden.

In den 5 Jahren vor dem ersten demyelinisierenden Event waren MS-Patienten häufiger wegen Fatigue (adjustierte Odds ratio OR: 3,37; 95 % Konfidenzintervall: 2,76-4,10), Schlafstörungen (adj. OR: 2,61; 95 % Konfidenzintervall: 2,34-2,91), Anämie (adj. OR: 1,53; 95 % Konfidenzintervall: 1,32-1,78) und Schmerz (adj. OR: 2,15; 95 % Konfidenzintervall: 2,03-2,27) in Behandlung als die Personen in der Kontrollgruppe.

Anämie bei Männern

Konsistent damit stieg auch die Zahl der Arztbesuche für spätere MS-Patienten in dieser Zeit im Vergleich zu den Probanden der Kontrollgruppe an. Der Zusammenhang zwischen Anämie und einer späteren MS-Erkrankung war für Männer ausgeprägter. Der Zusammenhang zwischen Schmerz und MS stieg mit zunehmendem Alter an. Vor den ersten MS-Symptomen waren besonders Schlafstörungen (adj. OR: 1,72; 95 % Konfidenzintervall: 1,12-2,56) und Schmerz (adj. OR: 1,53; 95 % Konfidenzintervall: 1,32-1.,76) bei den MS-Patienten im Vergleich zu den Kontrollpersonen zu beobachten.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Symptome wie Fatigue, Schlafstörungen, Anämie und Schmerz häufiger vor dem Erkennen einer MS-Erkrankung zu beobachten waren und dementsprechend zu häufigeren Arztbesuchen führten. Anämien waren besonders bei Männern mit einer späteren MS-Erkrankung häufiger dokumentiert. Schmerzen traten mit zunehmendem Alter eher als frühes Symptom auf.

 

 

Quellen: Deutsches Gesundheitsportal, Originalstudie