Ein deutsch-israelisches Forscherteam untersuchte im Rahmen ihrer vor kurzem veröffentlichten Studie das Blut von zwölf Covid-19 Patienten. Sie konnten 255 Antikörper isolieren, welche an SARS-CoV-2 binden. Hiervon waren 28 sogenannte neutralisierende Antikörper, welche in Zellkulturen eine Infektion verhindern konnten.

[jr] Antikörper, welche Erreger im Falle einer Infektion gezielt angreifen können werden in den menschlichen B-Zellen gebildet. Dies erfolgt üblicherweise einige Tage bis Wochen nach der Diagnose. Nicht alle Antikörper, welche das Virus erkennen, können jedoch eine Infektion verhindern. Nur Antikörper, welche über ihre spezifische Rezeptorstelle am Spike-Protein des Virus andocken können, sind in der Lage dazu.

28 neutralisierende Antikörper

Die Wissenschaftler entnahmen in ihrer Studie Blutproben von Covid-19 Patienten acht bis 36 Tage nach der gesicherten Diagnose. Sie screenten 4,313 SARS-CoV-2-reaktive B-Zellen. Dabei konnten sie 255 Antikörper isolieren. Von diesen erkannten 28 die Rezeptorbindestelle des Virus und waren in der Lage, in Zellkulturen eine Infektion verhindern.
Die Antikörper waren laut den Forschern wahrscheinlich der Grund für den milden Verlauf der Infektion der Probanden. Fünf der Personen zeigten nur leichte Symptome, wie Husten, Fieber und Dyspnoe. Zwei der Studienteilnehmer waren asymptomatisch.

Bildung aus Antikörper-Vorläufern

Ein interessanter Fakt ist, dass die Forscher ähnliche Antikörper in Blutspenden nachweisen konnten, welche aus der Zeit vor der Corona-Pandemie stammten. Eine mögliche Erklärung hierfür wäre, dass diese nach Infektionen mit anderen Coronaviren, welche schon länger existieren, gebildet wurden und bei Menschen in der Regel nur milde Infektionen auslösten. Die Wissenschaftler gehen nun davon aus, dass die von ihnen isolierten neutralisierenden Antikörper der Covid-19 Patienten aus diesem Pool von verschiedenen Vorläufern generiert wurden.

Falls sich diese Antikörper in klinischen Studien als effektiv und sicher erweisen sollten, könnten diese sowohl zum Schutz vor einer Infektion als auch zur Therapie bei Covid-19 eingesetzt werden. Vorstellbar ist zudem ein Einsatz zur sogenannten Postexpositions­prophylaxe, um Personen, die Kontakt mit Infizierten hatten, vor einer Erkrankung zu schützen.

 

Quellen: Ärzteblatt, Originalstudie