Ein amerikanisches Forscherteam konnte zeigen, dass im Gegensatz zu der weit verbreiteten Annahme, Demenzerkrankungen in Europa und Amerika nicht zunehmen, sondern rückläufig sind. Die Auswertung von sieben großen Kohortenstudien ergab einen Rückgang der Inzidenz um 13 Prozent pro Dekade.

[jr] Die Annahme, dass sich die Zahl der von Demenzen betroffenenen Menschen in Pflegeheimen bis 2040 verdreifachen soll, ist nicht ganz richtig. Diese Hochrechnungen gehen davon aus, dass sich das Demenzrisiko einzelner Personen nicht verändert, da die häufigste Demenzerkrankung, M. Alzheimer, keine organischen Ursachen hat. Sie kann demnach nicht durch die Gabe von Medikamenten beeinflusst werden.

Erkrankungsursachen

Es stimmt zwar, dass es bisher keine sicher wirksamen Antidementiva gibt, die Erkrankungen haben jedoch unterschiedliche Ursachen. Eine davon ist die Atherosklerose der Hirnaterien. Diese fördert vermutlich über eine schlechtere Durchblutung des Gehirns die Ablagerung von Amyloiden.

Analyse von sieben Kohortenstudien

Ein Team von Wissenschaftlern um Albert Hofman der T.H. Chan School of Public Health in Boston untersuchte in ihrer Studie, wie sich die Inzidenz von Demenzerkrankungen in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Grundlage ihrer Untersuchungen bildeten prospektive Beobachtungsstudien aus den USA (Framingham Heart Study), Frankreich (PAQUID-Kohorte und 3C-Studie), den Niederlanden (Rotterdam Studie), Schweden (Göteborg-Studien), Großbritannien (CFAS I und II) und Island (AGES–Reykjavik). Von den insgesamt 49.202 Teilnehmern waren in 2 bis 27 Jahren Nachbeobachtung 4.253 (8,6 %) an einer Demenz erkrankt.

Rückgang in der Gesamtbevölkerung

Die Studie zeigte zunächst, dass die Zahl der Demenzerkrankung mit dem Alter signifikant steigt von 4 pro 1.000 Personenjahre in der Altersgruppe von 65 bis 69 Jahren auf 65 pro 1.000 Personenjahre bei den hochbetagten Personen im Alter von 85 bis 89 Jahren. In der Gesamtbevölkerung war jedoch alterskorrigiert ein Rückgang zu beobachten. Diesen beziffert Hofman mit 13 % pro Dekade (95-%-Konfidenzintervall 7 bis 19 %).
Der Rückgang fiel bei Männern mit 24 % (14 bis 32 %) stärker aus als bei Frauen, bei denen die Inzidenz pro Dekade nur um 8 % (0 bis 15 %) abnahm.

 

Sollte dieser Rückgang anhalten, könnten bis 2040 in Ländern mit hohem Einkommen 15 Millionen Menschen weniger von Demenzerkrankungen betroffen sein, als bisher angenommen. Dafür gibt es jedoch keine Gewissheit. Da derzeit eine Zunahme von Adipositas, Typ-2-Diabetes und auch Hypertonie zu beobachten sei, könnte sich dieser Trend in den nächsten Jahren auch wieder umkehren. Untersuchungen aus Japan, China und Afrika zeigen jedoch, dass die Inzidenzen in diesen Ländern stabil sind oder sogar zunehmen.

 

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Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Originalstudie