Wie fit sind Therapeuten in Sachen gesundheitsfördernde Beratung? Dieser Frage geht Anna Roidl von der Technischen Universität München im Rahmen einer Online-Befragung nach.

Gesundheitliche Risikofaktoren wie Rauchen, Inaktivität, exzessiver Alkoholkonsum und ungesunde Ernährung zählen zu den größten Einflussfaktoren für die Entstehung chronischer Erkrankungen (1). Auch die aktuelle Pandemie COVID-19 verdeutlicht die Bedeutung von lebensstilbezogenen Faktoren für den Verlauf von Krankheiten (2). Ein Blick auf die Daten in Deutschland zeigt, dass nahezu 40 Prozent der Bevölkerung an Krankheiten leiden, deren Ätiologie auf ihren Lebensstil zurückzuführen ist (3).

Drei physiotherapeutische Gipfeltreffen zu globaler Gesundheit betonen die Notwendigkeit, dass die Profession Physiotherapie auf die steigende Krankheitslast durch chronische Erkrankungen reagieren sollte. Dies beinhaltet, dass Physiotherapeuten hinsichtlich der verschiedenen Risikofaktoren beraten können sollten (3, 4, 5). Eine Vorausaussetzung dafür ist, dass Physiotherapeuten sowohl Wissen zu gesundheitsfördernden Faktoren individueller Lebensweise besitzen, als auch über Kompetenzen verfügen, um hinsichtlich Verhaltensänderung beraten zu können.  Eine kürzlich veröffentlichte, deutsche Studie kommt zu der Annahme, dass Physiotherapeuten in Deutschland mehr Kompetenzen benötigen um Verhaltensänderung herbeizuführen (6). Des weiteren zeigen Studien aus anderen Ländern, dass Physiotherapeuten/innen Gesundheitsförderung als fundamentalen Teil ihres Rollenverständnis erachten, es jedoch an Selbstvertrauen, Wissen und Fertigkeiten fehlt (7–11).

Um Gesundheitsförderung innerhalb der Profession Physiotherapie in Deutschland weiter auszubauen, stellt sich zunächst die Frage, wie die Profession Physiotherapie in Deutschland hinsichtlich gesundheitsfördernder Beratung positioniert ist. In welchen Bereichen bedarf es einer Erweiterung an Kompetenzen und wie kann gesundheitsfördernde Beratung in die Physiotherapie integriert werden? Als Grundlage für die Erfassung der Kompetenzen zur Verhaltensberatung dient dabei die Arbeit von Vallis und Kollegen (12). Diese schlüsselt die einzelnen Fach- und Methodenkompetenzen, basierend auf dem  Konzept der Verhaltensänderung (Health Behaviour Change Framework), auf und wurde expliziert für Gesundheitsdienstleister entwickelt.

Anna Roidl von der Technischen Universität München leitet dazu eine Befragung, an der Interessierte noch bis zum 6. September unter folgendem Link teilnehmen können: https://roidl12.limequery.com/396152?lang=de

 

Quellen

1. World Health Organization. Noncommunicable diseases country profiles 2018. World Health Organization [Internet]. 2018. Verfügbar unter: https://apps.who.int/iris/handle/10665/274512

2. Zheng Z, Peng F, Xu B, Zhao J, Liu H, Peng J, u. a. Risk factors of critical & mortal COVID-19 cases: A systematic literature review and meta-analysis. Journal of Infection. August 2020;81(2):e16–25

3. Koch-Institut R. Was sind die wichtigsten Ergebnisse? 2015 [zitiert 27. Juli 2020]; Verfügbar unter: http://edoc.rki.de/docviews/abstract.php?lang=ger&id=4089

4. Dean E. Physical therapy in the 21st century (Part II): evidence-based practice within the context of evidence-informed practice. Physiother Theory Pract. Juli 2009;25(5–6):354–68

5. Dean E, Skinner M, Myezwa H, Mkumbuzi V, Mostert K, Parra DC, u. a. Health Competency Standards in Physical Therapist Practice. Physical Therapy. 1. September 2019;99(9):1242–54

6. Eisele A, Schagg D, Göhner W. Exercise promotion in physiotherapy: A qualitative study providing insights into German physiotherapists’ practices and experiences. Musculoskeletal Science and Practice. Februar 2020;45:102104

7. Abaraogu UO, Onah U, Abaraogu OD, Fawole HO, Kalu ME, Seenan CA. Knowledge, Attitudes, and the Practice of Health Promotion among Physiotherapists in Nigeria. Physiotherapy Canada. 12. Februar 2019;71(1):92–100

8. Boakye H, Quartey J, Baidoo NAB, Ahenkorah J. Knowledge, attitude and practice of physiotherapists towards health promotion in Ghana. South African Journal of Physiotherapy [Internet]. 28. August 2018 [zitiert 11. August 2020];74(1). Verfügbar unter: http://www.sajp.co.za/index.php/SAJP/article/view/443

9. Freene N, Cools S, Bissett B. Are we missing opportunities? Physiotherapy and physical activity promotion: a cross-sectional survey. BMC Sports Science, Medicine and Rehabilitation [Internet]. Dezember 2017 [zitiert 30. Mai 2020];9(1). Verfügbar unter: https://bmcsportsscimedrehabil.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13102-017-0084-y

10. McMahon N, Connolly C. Health promotion knowledge, attitudes and practices of chartered physiotherapists in Ireland: A national survey. Physiotherapy Practice and Research. 2013;34(1):21–8

11. Shirley D, van der Ploeg HP, Bauman AE. Physical Activity Promotion in the Physical Therapy Setting: Perspectives From Practitioners and Students. Physical Therapy. 1. September 2010;90(9):1311–22

12. Vallis M, Lee-Baggley D, Sampalli T, Ryer A, Ryan-Carson S, Kumanan K, u. a. Equipping providers with principles, knowledge and skills to successfully integrate behaviour change counselling into practice: a primary healthcare framework. Public Health. Januar 2018;154:70–8