Viele Infektionskrankheiten erhöhen das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen des Gefäßsystems wie für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt. Laut einer Metaanalyse, in die Ergebnisse aus zwölf klinischen Studien eingeflossen sind, ist das Risiko an einem ischämischen Schlaganfall zu erkranken einen Monat nach akuten Infektionen um mehr als das Doppelte erhöht. Doch warum können Grippeviren und andere Erreger Gefäßverschlüsse verursachen? Und warum empfehlen Mediziner die Influenzaimpfung als Prävention?

[jr] Infektionen und andere akute Entzündungen können das Blutgerinnungssystem aktivieren. Sie erhöhen so das Risiko für Thrombosen und Embolien, die wiederum Schlaganfälle nach sich ziehen können. „Bei einer Thrombose können kleine Blutgerinnsel über den normalen Blutfluss bis zum Gehirn gelangen und dort den Durchfluss von Blutgefäßen versperren. Infolgedessen wird das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt, wodurch ein Schlaganfall ausgelöst werden kann“, erläutert Professor Dr. Armin Grau, 2. Vorsitzender der DSG. Aufgrund dieses Zusammenhangs sei das Risiko für einen Hirninfarkt nach einer Influenzagrippe oder nach anderen Infektionen erhöht.

Erhöhtes Schlaganfallrisiko nach Infektionen

Das Schlaganfallrisiko ist vor allem nach akuten Infektionen der Atem- und der Harnwege erhöht. In den ersten drei Tagen nach einer Infektion ist es besonders hoch, danach sinkt das Risiko langsam wieder ab. Unter Umständen besteht sogar wochenlang ein erhöhtes Risiko für einen Hirninfarkt. „Infektionen und andere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Rauchen wirken zusammen und erhöhen das Schlaganfallrisiko“, betont Grau, Direktor der Neurologischen Klinik mit Klinischer Neurophysiologie und Stroke Unit am Klinikum der Stadt Ludwigshafen.

Grippeimpfung als Schutz

„In selteneren Fällen können aber auch bei jungen Menschen ohne Risikofaktoren Schlaganfälle nach einer Infektion auftreten.“ Der DSG-Experte empfiehlt Personen mit Gefäßrisikofaktoren sowie Patienten, die schon einmal einen Schlaganfall hatten, sich jährlich gegen die Influenzagrippe impfen zu lassen. Das würde auch den aktuellen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) entsprechen.

Darüber hinaus sei es empfehlenswert, die erwähnten Risikofaktoren für einen Schlaganfall möglichst zu senken. Mit ausreichender, regelmäßiger Bewegung und einer gesunden Ernährung kann einem Schlaganfall gezielt vorgebeugt werden. Zudem sollten Menschen mit Bluthochdruck diesen medikamentös richtig einstellen lassen und Raucher sich den Griff zur Zigarette abgewöhnen.

Auch das Corona-Virus kann die Entstehung von Hirninfarkten begünstigen – über diesen medizinischen Zusammenhang informieren Experten der DSG auf der Online-Pressekonferenz anlässlich des diesjährigen Weltschlaganfalltages. Zudem geben sie einen Überblick der Situation von Schlaganfall-Patienten während der Corona-Pandemie. Auch die telemedizinische Schlaganfallversorgung in ländlichen Regionen ist ein Thema der virtuellen Veranstaltung.

 

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Quelle: DSG