Minister Spahn habe nie verheimlicht, dass er der Akademisierung der Gesundheitsfachberufe eher skeptisch gegenübersteht, melden Therapeuten am Limit. Doch rechtfertigt die persönliche Meinung einen weitreichenden Eingriff in wissenschaftliche Evaluierungen?

[tb] Die nun geplante Verschiebung der Evaluierung der Modellstudiengänge ziele nach Einschätzung von Therapeuten am Limit allein darauf ab, den Status quo über die nächste Legislaturperiode hinaus zu zementieren. Die Begründung, es könne dann nach 2026 auf „gewachsene Strukturen“ zurückgegriffen werden, sei so haarsträubend wie falsch. Welche Strukturen solle es dann noch geben?

Selbst sprachlich werde das eher positive Ergebnis des letzten Evaluierungsberichts negiert. Die Verlängerung der Modellklauseln sei Voraussetzung für eine „ergebnisoffene Entscheidungsfindung gewesen, ob und wenn ja in welcher Ausgestaltung die jeweilige Ausbildung in der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie akademisiert werden solle.

Daher stellt der Autor der Meldung die Frage:

„Warum also jetzt, ein Jahr vor dem Ende der Evaluierung, dieser Schnellschuss? Möchte Herr Spahn tatsächlich die Professionalisierung der Gesundheitsfachberufe torpedieren, oder gibt es andere Gründe?“

Das Eckpunktepapier zur Neuordnung der Berufsgesetze bliebe in einigen Punkten wie der Integration der Zertifikatspositionen oder dem Direktzugang sehr schwammig. Sei es möglich, dass ein fehlendes Konzept für moderne Berufsgesetze die Studiengänge mit Auslaufen der Erprobung ins Leere laufen lassen würde? Sei schon jetzt absehbar, dass es keinen Konsens in den strittigen Punkten geben werde? Dies sei ein denkbarer Grund für die Verlängerung und würde gleichzeitig bedeuten, dass versäumte Hausaufgaben den eigentlichen Grund für die Verzögerung darstellen würden.

Auf Nachfrage der Ärztezeitung im August 2020 habe Staatssekretärin Sabine Weiss zu dieser Frage ausgeführt, dass bereits die Verlängerung der Modellklausel 2017 notwendig gewesen sei, weil damals keine konsentierten Entwürfe vorlagen, wie die Berufsgesetze reformiert werden könnten. Dies könne sich nun wiederholen: Über eine erneute Verlängerung der Modellklausel werde „zu gegebener Zeit zu beraten sein“, erklärt Weiss in einem Artikel.

Sei es dann nicht eher zielführend, die zur Stellungnahme aufgerufenen Verbände, Hochschulen, Wissenschaftler und die Therapeuten und Therapeutinnen über die eigentlichen Hintergründe aufzuklären, insbesondere dann, wenn andere Berufsgruppen in ihrer Professionalisierung gebremst würden, weil es in der Physiotherapie keine Einigung über das leidige Zertifikatswesen gebe?

Erneut müssten Therapeuten am Limit die intransparenten Entscheidungsprozesse anmahnen und die Frage wiederholen, wer an diesen Prozessen mitwirkt.

Quelle: Therapeuten am Limit

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