Bei älteren Menschen steigt die Sturzgefahr und ist ein wichtiges Thema. Finnische Wissenschaftler kamen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass Sport und spezielle Übungen das Sturzrisiko von dementen Patienten reduziert, auch wenn dies durch bestimmte Medikamente erhöht ist.

[jr] Manche Medikamente helfen nicht nur, sondern haben auch erhebliche Nebenwirkungen. Gerade bei Senioren können Blutdrucksenker und anticholinergisch wirkende Medikamente zu Schwindel und Störungen des Gleichgewichtssinnes führen.

Forscher aus Finnland führten eine Studie mit insgesamt 194 Patienten über ein Jahr durch, welche an Alzheimer erkrankt waren. 129 Patienten aus der Interventionsgruppe  führten zweimal wöchentlich sportliche Übungen entweder zuhause oder in der Gruppe durch. 64 Patienten waren der Kontrollgruppe zugeteilt und erhielten nur die Standardversorgung. Die Zahl der Stürze wurde aus einem dafür von den Angehörigen geführten Tagebuch ermittelt und von den Forschern dokumentiert. Zudem untersuchten die Forscher einen etwaigen Zusammenhang mit der Einnahme von speziellen Medikamenten, wie zum Beispiel Blutdrucksenkern, psychotrop wirkenden Medikamenten, wie Antipsychotika oder Antidepressiva und anticholinergischen Wirkstoffen, wie manche Mittel gegen Harninkontinenz oder zur Therapie bei Parkinson.

Dreimal so viele Stürze ohne Sportprogramm

Die Wissenschaftler konnten keinen Unterschied hinsichtlich der Sturzanzahl zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe beobachten, wenn allein die Patienten betrachtet wurden, welche keine der oben aufgeführten Medikamente einnahmen. Insgesamt unterschieden sich dagegen die Patienten, die eher problematische Medikamente einnahmen (1,1 Stürze pro Person und Jahr), von denen, die solche nicht nahmen (0,6 Stürze pro Person und Jahr). Sport machte allerdings hierbei den Unterschied. Patienten der Interventionsgruppe, die Medikamente gegen hohen Blutdruck einnahmen, gaben durchschnittlich 0,5 Stürze pro Person und Jahr an. In der Kontrollgruppe mit behandeltem Bluthochdruck war die Zahl dreimal so hoch (1,5 Stürze pro Person und Jahr). Ähnlich verhielt es sich mit den Patienten, welche anticholinergisch wirkende Medikamenten einnahmen. In der Interventionsgruppe traten pro Person und Jahr im Durchschnitt etwa 0,7 Stürze auf. In der Kontrollgruppe mit 2,0 Stürzen pro Person und Jahr, fast dreimal so viel.

Sport und spezielle Übungen können demnach das Sturzrisiko von Patienten mit Morbus Alzheimer reduzieren, selbst wenn dieses Risiko durch die Einnahme von spezifischen Medikamenten erhöht ist.

 

Quelle: Deutsches Gesundheitsportal, Originalstudie

 

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