Eine in der Fachzeitschrift Stroke publizierte Studie wertete bundesweite Daten zu Schlaganfällen während der ersten COVID-19-Welle aus. Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen März und Mai 2020 die Zahl von Patientinnen und Patienten mit, vor allem leichteren, Schlaganfallsymptomen deutlich zurückgegangen war. Wegen der Angst sich anzustecken wurden Betroffene offensichtlich nicht oder zu spät vorstellig, und die Schlaganfallsterblichkeit nahm zu.

[jr] Bereits in der frühen Phase der Pandemie zeigten sich  Neurologen über einen spürbaren Rückgang an Patienten, die sich wegen Schlaganfallsymptomen in einer Notaufnahme vorstellten, alarmiert und richteten Appelle an die Bevölkerung, Schlaganfallsymptome nicht zu ignorieren. Dass der damalige Eindruck der „leeren“ Stroke-Units nicht täuschte, bestätigte nun die erste bundesweite Erhebung zur Schlaganfallversorgung während der ersten Pandemiephase zwischen dem 16. März bis 15. Mai 2020.

Rückgang der Aufnahmen während Pandemie

In der Studie wurden die Daten aus allen 1.463 Krankenhäusern in Deutschland, die in dieser Zeit Schlaganfallpatienten behandelt haben, mit denen des gleichen Zeitraums im Vorjahr und mit denen des Prä-Pandemie-Zeitraums 16. Januar bis 15. März 2020 verglichen. In der Pandemiephase wurden 31.165 Patientinnen und Patienten mit akuten ischämischen Schlaganfällen aufgenommen, im Vergleich zur Prä-Pandemiephase war das ein Rückgang von 17,4%, im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr von 18,5%.

Bei Patientinnen und Patienten mit „Mini-Schlaganfall“ (transitorische ischämische Attacke/TIA, oft Vorbote eines schweren Schlaganfalls, wenn keine Behandlung erfolgt), betrug der Rückgang sogar 22,9%, respektive 26,1%. Im Hinblick auf Patienten mit Hirnblutungen war zwischen der Prä-Pandemiephase und der Pandemiephase ein Rückgang von 15,8% zu verzeichnen.

Anstieg der Krankenhaussterblichkeit

Dass das nicht ohne Folgen blieb, zeigte der zeitgleiche Anstieg der Krankenhaussterblichkeit von Patienten mit ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen. Sie war im Beobachtungszeitraum während der Pandemie im Vergleich zum Zeitraum unmittelbar davor signifikant erhöht (bei Hirnblutungen: 8,1% vs. 7,6%, bei Hirninfarkten 34,9% vs. 29,9%).

Die Autoren der Auswertung führen die erhöhte Sterblichkeitsrate auf die Tatsache zurück, dass während der Pandemie verhältnismäßig mehr Patienten mit schwereren Symptomen und somit schlechterer Prognose eingeliefert wurden. „Dass die Schlaganfallpatienten später und ‚kranker‘ in die Kliniken kamen, lässt sich auch an der erhöhten Thrombektomierate ablesen. Offensichtlich war bei mehreren das Zeitfenster für die medikamentöse Lysetherapie abgelaufen, so dass nur noch der interventionelle Eingriff als Therapieoption blieb“, erklärt Prof. Dr. Christos Krogias, Korrespondenzautor der vorliegenden Studie.

Die Studie zeigte aber auch, dass die Akutversorgung in Deutschland während der Pandemiephase in gleich hoher Qualität stattfand. Die Lyserate betrug 16,4% (so wie im Vorjahr), die Thrombektomierate war 8,1% (vs. 7,7% in der Prä-Pandemiephase).

 

Quelle: Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V., Originalstudie

 

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