Der Digitalverband Bitkom hat gemeinsam mit dem Hartmannbund eine Umfrage mit mehr als 500 Ärzten in Deutschland durchgeführt. Demnach sind Ärzte in Krankenhäusern mehrheitlich offen gegenüber digitalen Gesundheitsangeboten. Ärzte in Praxen hingegen zeigen sich skeptischer.

[jr] Die unterschiedlichen Bewertungen basieren laut Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes, jedoch nicht durch mangelnden Willen, sondern durch die differenzierten Voraussetzungen, unter denen die Befragten der Digitalisierung begegnen.

Ärzte erleben als Praxisinhaber im Alltag selten einen tatsächlichen Mehrwert des digitalen Fortschritts für sich und ihre Patienten, wohingegen Klinikärzte die digitalen Angebote prinzipiell nur nutzen und sich nicht um die Wartung und Instandsetzung kümmern müssen. Für Ärzte in Praxen seien zudem die technischen Voraussetzungen administrativ sehr aufwändig und teuer.

Chance oder Risiko?

Laut der Umfrage sehen 86 Prozent der Krankenhausärzte in der Digitalisierung primär Chancen für das Ge­sundheitswesen. Zehn Prozent halten die Digitalisierung für ein Risiko. Bei den Vertragsärzten betonen lediglich 53 Prozent die Chancen. 39 Prozent halten die Digitalisierung für ein Risiko. 82 Prozent der primär stationär arbeitenden Ärzte wünscht sich ein höheres Tempo beim Ausbau digitaler Angebote. Unter den Ärzten in den Praxen sind es nur 38 Prozent.

Hinkt Deutschland hinterher?

70 Prozent der Kran­ken­hausärzte sind der Meinung, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern bei der Digitalisierung des Gesund­heitssystems hinterherhinkt. Unter den Praxisärzten sehen das 53 Prozent so.

Digitalisierung und Corona

Bitkom-Präsident Achim Berg ist der Meinung, dass die Coronapandemie den Gesundheitssektor vor riesige Herausforderungen gestellt und bestehen­de Defizite offengelegt habe. Dazu gehören seiner Ansicht nach beispielweise die Nachverfolgung von Infektionsketten, die Information potenziell Infizierter oder aktuell die Terminvergabe bei der SARS-CoV-2-Schutzimpfung. Dies verdeutliche, wie wichtig Vernetzung, ein funktionierender, sicherer Datenaustausch und die digitale Doku­mentation von Untersuchungsergebnissen seien. Positiv sei der deutliche Zuwachs beim Angebot von Videosprechstunden. „Videosprechstunden werden während der Coronapandemie sehr viel häufiger genutzt und die Nachfrage auf Seiten der Patienten ist so hoch wie noch nie. Viele Ärzte haben darauf reagiert“, sagte Berg. Dazu beigetragen habe die Absenkung der bürokratischen Hür­den und die Verbesserung des Vergütungsmodells.

Hoffnung ePa?

Laut der Umfrage weckt die elektronische Patientenakte (ePa) bei vielen Ärzten große Hoffnungen. Fast neun von zehn Krankenhausärzten (89 Prozent) erhoffen sich durch die ePa eine einfachere Zusammen­arbeit zwischen Ärzten. Bei den Ärzten in den Praxen sind es 54 Prozent. Risiken der ePa werden meist im Bereich der Gefahr des Datenmissbrauchs gesehen. 60 Prozent der Praxisärz­te fürchten zudem hohe Investitionskosten; 52 Prozent  eine schwierige Integration der ePa in den Behandlungsalltag.

Ähnlich sieht es mit den Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) aus. Jeder vierte Mediziner (24 Prozent) will diese künftig verordnen. Nur zwei Prozent haben dies bereits getan. 28 Prozent schließen dies kategorisch aus. Interessant: Jeder zehnte Arzt weiß nach eigenem Bekunden nicht, was eine DiGA ist.

Quelle: Ärzteblatt

 

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