Effektiver Infektionsschutz ist in der Corona-Pandemie unverzichtbar. Das Bundesministerium für Gesundheit hat daher Regelungen zum Schutz der Bevölkerung (Testverordnung, Impfschutzverordnung, Hygienepauschalen) getroffen. Doch in der Umsetzung häufen sich die Probleme, erklärt der VDB in einer aktuellen Meldung.

[tb] Nach der Corona-Impfverordnung § 2 Nr. 2 und 5 bestünde für Physiotherapeuten, aufgrund ihrer Tätigkeit, ein Anspruch auf Schutzimpfung mit höchster Priorität, erklärt der VDB in seiner aktuellen Meldung.

Es hapert bei der Umsetzung

Leider hapere es in der praktischen Umsetzung, kritisiert der VDB. So würden ambulant tätige Physiotherapeuten in Berlin und weiteren Bundesländern über eine fehlende Berücksichtigung in der Terminvergabe klagen. Die Mitarbeiter in den Impfzentren würden Physiotherapeuten auf spätere Termine vertrösten, das Pflegepersonal werde geimpft, die Therapeuten jedoch vergessen.

Der stellvertretender Bundesvorsitzender und Landesvorsitzender des VDB-Physiotherapieverbandes, Bernd Liebenow, hat im Impfzentrum Berlin nachgefragt und bekam diese Antwort:

„Physiotherapeuten stehen nicht auf der Liste der Berufe mit höchster Priorität“.

Termine würden nur mit QR Code vergeben, heißt es weiter. Und den Code erhalte der Impfberechtigte in einer Einladung per Post. Eine schriftliche Anfrage des Landesvorsitzenden beim Berliner Senat mit der Bitte um Richtigstellung der Impfprioritäten gemäß Impfverordnung sei bisher unbeantwortet geblieben.

Was sagt der Bund dazu?

Die Pressestelle des Bundesministeriums für Gesundheit antwortete auf Anfrage des VDB wie folgt:

„Die Impfungen gegen COVID-19 werden durch die Bundesländer organisiert und durchgeführt. Die Coronavirus-Impfverordnung regelt in den §§ 2 bis 4, welche Personengruppen prioritär geimpft werden sollen. Die konkrete Umsetzung, insbesondere auch die Frage der Terminvergabe und gegebenenfalls gesonderter Einladungen obliegt der Verantwortung der Länder.“

Weitere Probleme

Die Berufsgruppe der Physiotherapeuten habe nach der Coronavirus-Testverordnung V Paragraph 4 in Verbindung mit Paragraph 23 Absatz 3 Satz 1 Nummer 9 Infektionsschutzgesetz einen Anspruch bei asymptomatischem Personal auf kostenfreie Reihentestung. Der Test könne bei einem Arzt oder in einem Testzentrum einmal wöchentlich erfolgen, dort würde die Leistung mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet.

Leider würden sich je nach Bundesland – z. B. in NRW und Niedersachsen – nur schwer Ärzte finden lassen, die dazu bereit seien, so der VDB. Physiotherapeuten dürften die Schnelltestungen nicht durchführen, würden die Testungen aber dringend für ärztlich verordnete Hausbesuche im Pflegeheim benötigen. Die Nationale Teststrategie – herausgegeben vom Bundesgesundheitsministerium – würde Heilmittelpraxen eine Reihentestung ab einer Inzidenzzahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern empfehlen. Aufgrund der schwierigen Situation würden Physiotherapeuten fordern, ambulant tätigen Physiotherapiepraxen zu gestatten, ihr Personal eigenständig zu testen und für die Kostenerstattung eine Abrechnungsposition einzurichten.

Dies sei nach Auffassung des VDB eigentlich ein konkreter Lösungsansatz, um medizinisch ausgebildeten Therapeuten eine unkomplizierte Testung auch zum Schutz der Patienten zu ermöglichen. Das Bundesministerium für Gesundheit habe auf die Anfrage jedoch erklärt:

„Durch die am 16. Januar 2021 in Kraft getretene Erste Verordnung zur Änderung der Coronavirus-Testverordnung wird klargestellt, dass neben Ärztinnen und Ärzten auch Zahnärztinnen und Zahnärzte, medizinische Labore und Apotheken mit der Durchführung von Tests beauftragt werden können.“ Und: „Bei Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, die in Pflegeheimen tätig sind oder in solchen Einrichtungen Patienten besuchen, werden die Testungen über die Einrichtung durchgeführt.“

Doch in der Praxis würde genau diese Lösung oft nicht funktionieren, kritisiert der VDB. Viele Pflegeheime würden einen negativen Test vor Betreten des Hauses fordern, jedoch ohne den Test anzubieten. Und wenn der Test angeboten würde, sei der Zeitaufwand groß.

Und der VDB macht auf noch ein Problem aufmerksam. Die Corona-Pandemie erfordere zur Vermeidung der Verbreitung des Coronavirus erhöhte Hygienemaßnahmen, dazu gehören permanente Flächendesinfektion, das Tragen von medizinischen MNS und FFP2 Masken und Einmalhandschuhen, Augenschutz und gegebenenfalls Schutzkleidung. Zudem würden erhöhte Heizkosten aufgrund Lüftungsmaßnahmen anfallen und Ausfallzeiten wegen Arbeitnehmerschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit Maskentragezeiten entstehen.

Die derzeitige Vergütung der gesetzlichen Krankenkassen pro Verordnung mit 1,50 Euro Hygienepauschale für mindestens sechs Termine und somit sechs Patienten-Therapeuten-Kontakte führe zu steigendem Unmut in der Branche.

Auf Nachfrage, wie Therapeuten denn mit der Vergütungsleistung die Hygienekosten decken könnten und welche Berechnung der Vergütungsleistung zu Grunde läge, antwortete das Gesundheitsministerium:

„Bei der Bemessung der Höhe der Hygienepauschale für Heilmittelerbringer wurde berücksichtigt, dass viele Materialien mehrfach (Mund-Nasen-Maske) oder dauerhaft (Plexi-Glas-Scheibe) verwendet werden können beziehungsweise auch unabhängig von der Pandemie zur Ausstattung einer Heilmittel-Praxis zählen und angewendet werden sollten (Desinfektionsmittel). Zudem wurde davon ausgegangen, dass Patientinnen und Patienten ihren eigenen Mund-Nasen-Schutz zur Behandlung mitbringen.“

Der VDB erklärt, dass eine Nachbesserung an der einen oder anderen Stelle den Therapeuten den Rücken stärken, zur Vermeidung der Verbreitung des Coronavirus beitragen und die flächendeckende Versorgung mit medizinischen Leistungen stützen würde.

Quelle: VDB

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