Langanhaltende schwere Müdigkeit, Schmerzen, Geschmacks- und Geruchsverlust, verminderte Leistungsfähigkeit – sie zählen zu potenziellen längerfristigen Folgen einer Corona-Erkrankung. Berichte von solchen Symptomen gibt es auch unter jenen Menschen, bei denen die Erkrankung eher mild verlaufen war. Jetzt gibt es eine Methode, die eine Therapie von „Long COVID“ erleichtert.

[jr] Zum 22. März meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 2,4 Millionen Menschen in Deutschland als „genesen“. Der zur Schätzung eingesetzte Algorithmus berücksichtigt Angaben zum Erkrankungsbeginn und zur Hospitalisierung, jedoch nicht, ob ggf. Spätfolgen der Erkrankung vorliegen. Am 22. November 2020 hatte das RKI gemeldet, dass etwa 40 Prozent der in der Klinik behandelten Patientinnen und Patienten längerfristig Unterstützung benötigten. Nach milder COVID-19-Erkrankung sei rund jeder Zehnte länger als vier Wochen betroffen, über den Verlauf sei jedoch wenig bekannt. Auch eine Bestandsaufnahme des privaten Krankenversicherers DKV nach Analyse von mehr als 10.000 Corona-Fällen ist unscharf: Sie beschränkt sich auf die Aussage, die Patienten seien nach Entlassung noch nicht gesund.

Betroffen sind nicht nur Erwachsene bzw. ältere Menschen – immer häufiger treffen Mediziner auf besonders gravierende Spätfolgen einer Coronavirus-Infektion bei Kindern und Jugendlichen. So läuft beim „Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ (PIMS) das Immunsystem „Amok“, wodurch das Leben Betroffener gefährdet werden kann.

Expertennetzwerk von Medizinern

Die Therapie dieser Patienten, die längerfristig an Folgen der Erkrankung leiden, unterstützt das Long-COVID-Netz. „Entstanden ist die Idee hierzu in Gesprächen mit dem Corona-Krisenstab der REGIOMED-Kliniken“, erinnert sich Achim Hein, Gründer, Deutsches Telemedizin Zentrum – DTZ e. V. Er ist zugleich Aufsichtsrat von EvoCare, eines Unternehmens, das in Zusammenarbeit mit Leistungserbringern die telemedizinische Therapiebegleitung von Patienten und Patientinnen zu Hause unterstützt. In dem Gremium hatten Michael Musick, Geschäftsführer Medizinische Informationstechnologie, Digitalisierung und Telemedizin für diesen Verbund von Akut- und Reha-Häusern, und drei Leitende Ärzte festgestellt, dass Weiterbetreuung der Patienten nach Entlassung einer Klärung bedurfte. „Zudem hatte sich gezeigt, dass Ärzte keine Leitlinien für die Behandlung von COVID-Patienten an der Hand haben. Mit einem deutlichen Handlungsbedarf sind wir mit EvoCare ins Gespräch gegangen“, so Musick.

Aus diesen Gesprächen ging das Long-COVID-Netz hervor – bestehend aus Reha-Einrichtungen, Universitätskliniken, Akutkrankenhäusern, Apotheken und Praxen. „Das Ziel ist, eine pandemiesichere Versorgung von Long-COVID-Patienten zu Hause sicherzustellen“, erläutert Hein. „Dabei haben diese Patienten individuelle Behandlungsanforderungen aus unterschiedlichen Indikationsbereichen, wie Pneumologie, Neurologie, Kardiologie, Psychosomatik sowie Medikamentierung oder Physiotherapie.“

So erhalten Niedergelassene und Allgemeinärzte Unterstützung durch die Netz-Fachärzte in der Region. Die Experten der beteiligten Einrichtungen kennen die Bedarfe der Patienten am besten, so Hein, und betreuen im Long-COVID-Netz individuell ihre Patienten zu Hause weiter, um den Gesundheitsstatus langfristig zu sichern und zu verbessern. Zur Überbringung der ärztlich-therapeutischen Maßnahmen kommt die anerkannte digitale EvoCare-Versorgungsmethode zum Einsatz. Sie ist als regelhaftes Kernangebot der Deutschen Rentenversicherung zur Rehabilitation und Nachsorge anerkannt und auch als ärztliche und Heilmittel-Leistung verfügbar.

„Das Netzwerk schafft qualitätsgesichert und barrierefrei den Zugang zur medizinisch-therapeutischen Versorgung durch die Spezialisten aus den Einrichtungen“, unterstreicht Hein: „Um die Bedürfnisse der Patienten vollumfänglich zu befriedigen, werden die individualisierten und indikations-übergreifenden Behandlungsinhalte oder Monitorings inklusive der Behandlungsanweisungen von Kliniken, Reha-Einrichtungen und Praxen ‚zu den Patienten nach Hause gebracht‘ – unter Einbindung der Apothekenketten“.

Der konkrete Ablauf

Wie werden die Patienten innerhalb des Netzwerks konkret praktisch versorgt – mit der Unterstützung von EvoCare und den Netzwerkpartnern? Hausärzte schicken Long-COVID-Patienten in Kompetenz-Center, die in engem Austausch mit Experten stehen. Medikamente, Heil- und Hilfsmittel werden dort verordnet. Auch Geräte wie Vitaldaten-Messgeräte sind Teil der Maßnahmen.

„Ärzte koordinieren in Netzwerken bereits eine Reihe von Versorgungsbedarfen – sehr erfolgreich, mit optimalen Ergebnissen. Dieser Ansatz ist daher auch für den Long-COVID-Ansatz äußerst vielversprechend“, erklärt Dr. Martin Schultz. Der Mediziner ist ehemaliger Leiter des Instituts für angewandte Telemedizin (IFAT) im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen, mit umfangreicher Erfahrung in der Kardio-Tele-Versorgung.

Maßgebender Mehrwert über individuelle Versorgung hinaus

„Dieses Projekt zeigt deutlich, dass es mit vernünftigem Einsatz von Digitalisierung die Behandler optimal unterstützt und dass Patienten hervorragend zu Hause versorgt werden“, betont Ralf Kohnen, Vorstand der EvoCare Holding AG. Und er prognostiziert für das Service- und technologiebasierte Long-COVID-Netz: „Aus dem medizinischen Wissensspeicher, der innerhalb dieses Netzwerks entsteht, lassen sich künftig Behandlungsleitlinien ableiten. Das ermöglicht die nutzenstarke Antwort auch auf diesen Bedarf, den die Mediziner aller Einrichtungen übereinstimmend festgestellt haben. Die Initiatoren wenden sich an alle in der Behandlung Involvierten: „Wir schlagen allen Interessierten vor, mit uns Kontakt aufzunehmen“.

Einladung zum Netzwerktreffen

Am 8. Juni findet das nächste Treffen des Long-COVID-Netzes statt. Akteure im Gesundheitswesen sind herzlich eingeladen.

Weitere Informationen: www.long-covid.care

Quelle: openpr

 

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